14. Jahrgang Nr. 1 / 31. Januar 2014 | 30. Schwat 5774

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Bad Homburg:

Im Dezember feierte die jüdische Gemeinschaft Bad Homburg und Hochtaunuskreis im Beisein von rund 200 Gästen die Einbringung einer Tora-Rolle ins Gemeindezentrum. Die rund 30.000 Euro teure Schriftrolle wurde von den Brüdern David und Alexander Granowski aus Frankfurt am Main gestiftet. Die jüdische Gemeinschaft der Kurstadt gehört zur Jüdischen Gemeinde Frankfurt, baut aber auch ihre eigene Infrastruktur vor Ort aus. In Bad Homburg und dem Hochtaunuskreis leben rund 600 Juden.

Würzburg:

Die Jüdische Gemeinde in Würzburg und Unterfranken hat im Januar die Genehmigung zur Erweiterung ihres Friedhofs erhalten. Die Erweiterung ist wegen der zunehmenden Belegung der gegenwärtig vorhandenen Friedhofsfläche im Würzburger Stadtteil Lengfeld erforderlich. Die Gemeinde hat bereits vor Jahren vorsorglich ein 2.300 Quadratmeter großes Nachbargrundstück erworben, das Platz für rund 400 weitere Gräber bietet. Mit der von der Stadt erteilten Genehmigung kann das neue Grundstück künftig genutzt werden.

Koblenz:

In der Koblenzer Debatte um den Bau einer neuen Synagoge gibt es eine neue Entwicklung. Die Stadt will der jüdischen Gemeinde für das Vorhaben ein Grundstück im sogenannten Weißergässer Dreieck anbieten. Im September 2013 hatte der Stadtrat von Koblenz beschlossen, einen drei Gebäude umfassenden Komplex, in dem sich bis 1938 die alte Synagoge befand, an einen gewerblichen Investor zu verkaufen. Damit konnte der von der Gemeinde ursprünglich gewünschte Synagogenbau an dieser Stelle nicht in die Wege geleitet werden. Mit dem neuen Angebot soll das Standort-Problem nun gelöst werden.

Berlin:

Im Januar haben die in der Trägerschaft der Jüdischen Gemeinde zu Berlin stehende Heinz-Galinski-Schule, die Jüdische Traditionsschule Or Avner und das Jugendzentrum Olam mit Unterstützung des Jüdischen Nationalfonds (KKL) ein gemeinsames Fest zu Tu-Bischwat, dem Neujahrsfest für Bäume, veranstaltet. An der Veranstaltung, bei der verschiedene Aspekte des Festes beleuchtet wurden, nahmen rund 200 Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern teil.

Dresden:

Die Jüdische Gemeinde Dresden präsentiert in der Ausstellung „Dresden 5774“ Biografien von vier Gemeindemitgliedern. Dafür wurde ein besonderes Medium gewählt: Comic. Die Comic-Autorin Elke R. Steiner hat den Lebenslauf der vier Gemeindemitglieder, die Anfang der 90er-Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion zugewandert sind, gezeichnet und beschriftet.

Hamburg:

Im Dezember stellte die Jüdische Gemeinde Hamburg sieben aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammende Ölporträts damaliger Gemeindemitglieder der Öffentlichkeit vor. In der NS-Zeit waren die Gemälde vor den Nazi-Behörden versteckt und erst 2005 von einem Hausmeister im Keller der Synagoge Hohe Weide in stark beschädigtem Zustand entdeckt worden. Fünf von ihnen sind bereits restauriert worden. Zu den auf den Gemälden abgebildeten Personen gehören unter anderem Heinrich Heines Tante Betty Heine (1770–1859) und der bekannte Jurist Gabriel Riesser (1806–1863). Die Wiederherstellung der Kunstwerke wird von der Denkmalschutzbehörde finanziert.

Erfurt:

In Erfurt fand Ende Dezember eine Bat-Mitzwa-Feier statt. Von Gemeinderabbiner Konstantin Pal betreut, feierte die zwölfjährige Rebekka Kurzbach ihren Eintritt in die religiöse Mündigkeit. In kleineren Gemeinden sind Bar-Mitzwa- und Bat-Mitzwa-Feiern ein eher seltenes, dafür aber umso wichtigeres Ereignis. Für Rabbiner Pal war dies die erste Bat-Mitzwa, die er in seiner inzwischen dreijährigen Tätigkeit für die Jüdische Gemeinde Erfurt durchführen konnte.

Speyer:

In Speyer wurde ein Platz nach der israelischen Stadt Jawne benannt. Anlass war das 15-jährige Jubiläum der zwischen Speyer und Jawne bestehenden Städtepartnerschaft. Bei der Benennungsfeier waren Speyers Oberbürgermeister Hansjörg Eger, Alt-Oberbürgermeister Werner Schineller und der Bürgermeister von Jawne, Zvi Gov-Ari, zugegen. Das Jubiläum der Städtepartnerschaft wurde bei einer Feier in der Jüdischen Gemeinde Speyer begangen.

Ehrenbürger:

Die sächsische Stadt Freiberg hat dem israelischen Unternehmer Michael Federmann (Foto unten) die Ehrenbürgerwürde verliehen. Damit würdigten die Stadtväter Federmanns Verdienste um die Industrieentwicklung der Stadt nach der deutschen Wiedervereinigung. Im Jahr 1995 hatte die von Federmann kontrollierte israelische Firma Federmann Enterprises das Galliumarsenid-Geschäft des ehemaligen DDR-Unternehmens Freiberger Elektronikwerkstoffe erworben, aus dem sich die heute auch international erfolgreiche Firma Freiberger Compound Materials entwickelte. Federmanns Vater hatte in Chemnitz gelebt, bevor er in den 1930er-Jahren Nazi-Deutschland verlassen musste. Mit der Ehrenbürgerschaft, erklärte Michael Federmann, schließe sich für ihn deshalb ein Kreis.

Auszeichnung:

Der Hamburger Archivar und Genealoge Jürgen Sielemann wurde im Dezember mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sielemann, Jahrgang 1944, widmete seine Tätigkeit beim Hamburger Staatsarchiv hauptsächlich der Erforschung der Archive der ehemaligen jüdischen Gemeinden von Hamburg, Altona und Wandsbek. Im Zuge seine biografischen Recherchen klärte Sielemann das Schicksal zahlreicher Hamburger Juden und veröffentlichte das Gedenkbuch „Hamburger jüdische Opfer des Nationalsozialismus“ mit beinahe 9.000 Einträgen. Bereits 2012 war ihm von der Jüdischen Gemeinde in Hamburg die Herbert-Weichmann-Medaille verliehen worden.