13. Jahrgang Nr. 11 / 29. November 2013 | 26. Kislew 5774

Inspirierend

In Potsdam wurde das „Institut für Jüdische Theologie“ eröffnet

Von Heinz-Peter Katlewski

Mit einem Festakt im Auditorium maximum der Universität Potsdam wurde am Dienstag, 19. November 2013, ein bekenntnisgebundenes „Institut für Jüdische Theologie – School of Jewish Theology“ eröffnet. Künftig werden in der brandenburgischen Landeshauptstadt vor allem Rabbiner und Kantoren der liberalen wie der konservativen Richtung ihr wissenschaftliches Studium absolvieren. Die praktische Ausbildung, die das Abraham Geiger Kolleg für das liberale und das neu gegründete Zacharias Frankel College für das konservative Judentum organisieren, steht nur solchen jüdischen Studierenden offen, die von den Kollegs aufgenommen wurden. Im laufenden Semester studieren nach Angaben des Abraham Geiger Kollegs 30 der 47 Studenten für das Rabbinat oder das Kantorenamt an dem neuen Institut.
Dr. Josef Schuster, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, überbrachte Glückwünsche an die neue Einrichtung und erinnerte daran, dass auch an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg Vertreter unterschiedlicher jüdischer Richtungen lehrten und studierten, aber eine Rabbinerausbildung dort 1979 bei der Gründung nicht vorstellbar gewesen sei. Er wünsche, so Dr. Schuster, der „School of Jewish Theology“ einen inspirierenden Einfluss auf das Judentum in Deutschland.
Die Gründung eines solchen wissenschaftlichen Instituts sei einmalig in Deutschland und Europa und ein historischer Moment, betonte für die Bundesregierung Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft. Der brandenburgische Ministerpräsdent, Dr. Dietmar Woidke, wünschte sich, dass von dem Ereignis ein helles und optimistisch stimmendes Licht ausgehe.
Die Jüdische Theologie ist Teil der Philosophischen Fakultät, hat aber ein eigenes Promotions- und Habilitationsrecht und ist bei der Berufung ihrer Professoren maßgebend. Wichtigstes Kontrollgremium ist eine „Ständige Studienkommission für das jüdisch-geistliche Amt“, die aus Vertretern der Allgemeinen Rabbinerkonferenz des Zentralrats der Juden in Deutschland (ARK), der Union progressiver Juden, Masorti Deutschland und der beteiligten Rabbinerseminare besteht. Sie wird vom Vorsitzenden der ARK, Rabbiner Dr. Henry G. Brandt, geleitet.
Rabbiner Brandt hob hervor, dass mit diesem Institut verwirklicht werde, was eigentlich schon lange hätte geschehen müssen, und verwies dabei auch auf die bereits 1836 von Abraham Geiger erhobene Forderung, Rabbiner an einer jüdisch-theologischen Fakultät auszubilden.
Im Vorfeld des Festaktes wurde am Sonntag, 17. November 2013, im Berliner Centrum Judaicum das mit „Masorti Deutschland e.V.“ verbundene Zacharias Frankel College eröffnet. Es ist eine Dependence der „Ziegler School for Rabbinic Studies“ der American Jewish University in Los Angeles. Ihr wurde von der Universität Potsdam derselbe Status eingeräumt, über den das Abraham Geiger Kolleg seit seiner Eröffnung im Jahr 2001 verfügt.

www.juedischetheologie-unipotsdam.de

www.abraham-geiger-kolleg.de

www.zacharias-frankel-college.de