13. Jahrgang Nr. 11 / 29. November 2013 | 26. Kislew 5774

Liturgie

In Leipzig wird orthodox orientierte Kantorenausbildung angeboten

Von Carsten Dippel

In Leipzig wurde im November das „Institut für traditionelle jüdische Liturgie“ eröffnet. Damit erhalten nun auch die orthodox ausgerichteten Gemeinden die Möglichkeit, Vorbeter und Kantoren auszubilden. Das Leipziger Institut ist ein Kooperationsprojekt des Hildesheimerschen Rabbinerseminars zu Berlin und wird vom Zentralrat der Juden in Deutschland getragen. Im ersten Stadium nehmen 15 Teilnehmer an der Ausbildung teil.
Großenteils handelt es sich um keine künftigen Berufskantoren. Vielmehr sollen, wie der Vizepräsident des Zen­tralrats, Dr. Josef Schuster, erklärte, auch musikalisch interessierte Mitglieder jüdischer Gemeinden gewonnen werden. Sie werden dann geschult und weitergebildet, um Gottesdienste nicht nur selbstständig leiten zu können, sondern auch klanglich mit kantoralem Gesang zu gestalten. Damit, so der Leipziger Rabbiner Zsolt Balla, könne etwas von jenen Zeiten zurückgebracht werden, in denen einfache Gemeindemitglieder – vertraut mit der traditionellen Musikkultur und Liturgie – Vorbeter waren. Dagegen werden, so der Vizepräsident und Geschäftsführer der Ronald S. Lauder Foundation, Rabbiner Josh Spinner, nur wenige den Weg zum Kantor finden, was auch damit zu tun hat, dass der Bedarf an festangestellten Kantoren gering ist.
Wer schon auf eine umfassende musikalische Vorbildung blicken kann, hat hier zudem die Möglichkeit, sich speziell durch den Kantoralgesang weiterzubilden. Gleichzeitig werden die Studenten des Berliner Rabbinerseminars eingeladen, an der Ausbildung in Leipzig teilzunehmen. Für sie hat bereits im Sommer ein erster Kurs begonnen. Für sie geht es darum, ihre in der Berliner Yeshiva Beis Zion gewonnenen Kenntnisse um den Bereich der liturgischen Praxis zu erweitern.
Für die halbjährlich stattfindenden Blockseminare hat man keinen Geringeren als Kantor Joseph Malovany aus New York gewinnen können, der zu den weltweit renommiertesten Kantoren zählt. Neben der durch Malovany gebotenen Qualität der Ausbildung im liturgischen Bereich soll aber auch die musikalische Grundausbildung nicht zu kurz kommen. Hier will das Institut eng mit Dozenten der Leipziger Universität zusammenarbeiten, was zum Beispiel die Stimmschulung angeht. Den Kantorenstudenten soll auch die Möglichkeit eines akademischen Abschlusses gegeben werden.
Auch die nichtjüdische Umwelt erhofft sich einen Zugewinn. So könnten Theologiestudenten im Kontakt und Austausch mit den jüdischen Seminarteilnehmern des Instituts ihr Wissen zur jüdischen Religion um wichtige Bausteine erweitern, hofft Professor Andreas Schüle vom Institut für Alttestamentliche Wissenschaft der Universität Leipzig. Jüdische Kultur und Liturgie solle so auch nach außen getragen werden und nicht nur innerhalb der Mauern der jüdischen Gemeinden bleiben, sagt Dr. Schuster. Schließlich, so seine Hoffnung, wäre es schön, wenn Kantoren von Weltruf nicht nur nach Leipzig, sondern künftig auch aus Leipzig kämen.