13. Jahrgang Nr. 11 / 29. November 2013 | 26. Kislew 5774

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Pinneberg:

In der Nacht vom 9. zum 10. November wurde eine Glasscheibe am Eingang des jüdischen Gemeindezentrums in Pinneberg eingeschlagen (Foto oben). Wegen des Zeitpunkts des Vorfalls am 75. Jahrestag der „Reichskristallnacht“ wertete der Innenminister von Schleswig-Holstein, Andreas Breitner, die Beschädigung als eine politisch motivierte Tat. Fünf Tage nach dem Anschlag nahmen rund 400 Menschen an einer Solidaritätsdemonstration für die jüdische Gemeinde in Pinneberg teil.

Bamberg:

Im Oktober hat die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg ihres im August 2012 verstorbenen Vorsitzenden Dr. Heinrich Chaim Olmer mit der Einbringung einer Tora-Rolle gedacht. In der Synagoge konnte Gemeindevorsitzender Arieh Rudolph zahlreiche Gäste begrüßen. Während der Veranstaltung betonte der Präsident des Landesverbandes der Israelischen Kultusgemeinden in Bayern und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, die Bedeutung der Tora für das jüdische Volk.

Rendsburg:

Am 3. November 2013 feierte das Jüdische Museum Rendsburg sein 25. Jubiläum. Der Zentralrat der Juden in Deutschland war durch seinen Generalsekretär, Stephan J. Kramer, vertreten. In seiner Ansprache würdigte Kramer die Bedeutung des Museums als Kultur- und Begegnungsstätte. Kramer begrüßte auch die Pläne der Landesregierung von Schleswig-Holstein, die Arbeit der im Lande tätigen Gedenkstätten an die NS-Zeit auf eine festere Grundlage zu stellen. Die traditionelle Veranstaltungsreihe des Museums „Novembertage“ wurde im Jubiläumsjahr mit einer Fotoausstellung zur Hamburger Talmud-Tora-Schule eröffnet.

Braunschweig:

Beim traditionellen Neujahrsempfang der Jüdischen Gemeinde Braunschweig im Oktober bemängelte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, Fehler in der Nahostpolitik westlicher Staaten. Als Beispiel nannte er unter anderem die Politik des Westens gegenüber Syrien. Erst zu spät hätten westliche Politiker gemerkt, dass demokratische Kräfte keine Chance auf die Übernahme der Regierungsgewalt in Damaskus hätten; das Verhalten des Westens nach dem Chemie-Angriff der Armee auf eigene Bürger wiederum werde in Syrien selbst als ein Freischein für das Regime interpretiert, seine eigenen Bürger mit konventionellen Waffensystemen zu töten. Kramer warnte eindringlich vor Naivität gegenüber dem Iran. Auch seit Beginn der „Charme-Offensive“ des neuen iranischen Präsidenten Hassan Rouhani habe nicht eine einzige Zentrifuge zur Urananreicherung ihren Betrieb eingestellt.

Fulda:

In Fulda wurde eine Straße nach dem Talmud-Gelehrten und Kabbalisten Rabbiner Meir ben-Jakob ha-Kohen Schiff benannt. Der Rabbiner war nach seinem hebräischen Akronym als Maharam bekannt, und so lautet auch der neue Straßenname „Maharam-Schiff-Straße“. Maharam war 1605 in Frankfurt am Main geboren worden und mit 17 nach Fulda gekommen, wo er 18 Jahre lang tätig war. Das neue Straßenschild und eine Gedenktafel wurden Ende Oktober von Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller und vom Vorsitzenden des Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Hessen, Moritz Neumann, enthüllt. Wie Neumann betonte, haben namhafte Rabbiner in Fulda Jahrhunderte lang gewirkt und gelehrt.

Gladbeck:

In Gladbeck wurde im November eine Ausstellung zur Geschichte der Juden der im Ruhrgebiet gelegenen Stadt eröffnet. Mit der Ausstellung, so die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen-Gladbeck-Bottrop Judith Neuwald-Tasbach, gehe die Gemeinde auch an die Öffentlichkeit, um Unwissen und Vorurteile abzubauen. Die Ausstellung ist im Gasthaus „Stadthaus Wormland“ zu besichtigen.

Oranienburg:

Die Jüdische Gemeinde „Wiedergeburt“ Oranienburg/Landkreis Oberhavel hat eine Broschüre zur Geschichte der Juden in Oranienburg veröffentlicht. Wie die Gemeindevorsitzende Elena Miropolskaja erklärte, soll damit an dieses Kapitel der Stadtgeschichte erinnert werden. Die deutschen Texte der zweisprachigen, 32 Seiten starken Publikation wurden vom Stadthistoriker Hans Biereigel verfasst und von Valeria Velina und Tatiana Andreeva ins Russische übersetzt. Schüler des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums in Oranienburg haben das Layout erstellt.

Berlin:

Der Preis für Verständigung und Toleranz, den das Jüdische Museum Berlin verleiht, wurde in diesem Jahr der Schauspielerin Iris Berben und dem Unternehmer Berthold Leibinger zuerkannt. Iris Berben gehört zu den beliebtesten und vielseitigsten Schauspielerinnen Deutschlands. Sie engagiert sich seit vielen Jahren in verschiedenen Projekten und Funktionen gegen Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus und ist Israel eng verbunden. Leibinger gründete eine nach ihm benannte Berthold Leibinger Stiftung, die Kultur, Wissenschaft, Kirche und Soziales fördert. Im Bereich Kultur liegt der Fokus auf der Förderung von Musik, Literatur und Geschichte mit den Schwerpunkten Nationalsozialismus und Technikgeschichte.

Rebbetzins:

Im Oktober hat das Rabbinerseminar zu Berlin ein Programm für Rabbinerfrauen (Rebbetzins) gestartet. Das „Eschet-Chayil-Programm“, wie es heißt, bietet Teilnehmerinnen Weiterbildung, Unterstützung ihrer Arbeit in den Gemeinden und Hilfe bei der Schaffung eines deutschlandweiten Netzwerks an. Für die erste Phase des Projekts – 2013/14 – sind zwei Konferenzen, regelmäßiges E-Learning und individuelle Beratung geplant. Mit dem Programm wird der großen Bedeutung Rechnung getragen, die der Tätigkeit von Rabbinerfrauen zukommt.

Schulbuch:

Die Union progressiver Juden (UpJ) hat ein weiteres Lehrbuch für den jüdischen Unterricht veröffentlicht. Bei dem Buch, das den Namen „Schai“ trägt, handelt es sich um die dritte Veröffentlichung in der Reihe „Rosch Pina“. Das Lehrbuch richtet sich an Kinder zwischen 11 und 13 Jahren und soll auch der Vorbereitung auf die Bar Mitzwa beziehungsweise Bat Mitzwa dienen. Es ist mit 222 Seiten der bislang umfangreichste Teil des Unterrichtswerks, das gemeinsam von der UpJ und der Zürcher liberalen Gemeinde Or Chadasch entwickelt wurde. Das Buch widmet sich der Liturgie der Gebete, führt in den Tanach ein und informiert über jüdische Staaten der Antike genauso wie über den heutigen Staat Israel.

Humor:

Die ursprünglich im Jüdischen Museum Wien präsentierte Ausstellung „Alle meschugge? Jüdischer Witz und Humor“ (siehe Zukunft 5/2013) ist auf Tournee. Am 8. November wurde sie in Berlin eröffnet, wo sie bis 1. Januar 2014 zu sehen ist. Ausstellungsort ist die Berliner Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz.