13. Jahrgang Nr. 11 / 29. November 2013 | 26. Kislew 5774

Erfolg

Der Gemeindetag des Zentralrats der Juden in Deutschland übertraf alle Erwartungen

Gast und Gastgeber: Bundespräsident Joachim Gauck im Gespräch mit Dr. Dieter Graumann
Gast und Gastgeber: Bundespräsident Joachim Gauck im Gespräch mit Dr. Dieter Graumann

Vom 21. bis 24. November hielt der Zentralrat der Juden in Deutschland seinen diesjährigen Gemeindetag und die Ratsversammlung in Berlin ab. Während des Gemeindetages fand auch die Verleihung des Leo-Baeck-Preises statt (siehe Berichte Seite 2 und 3). Nachdem der Gemeindetag im Vorjahr – Austragungsort war Hamburg – ein reichhaltiges Programm und eine Vielfalt an Debatten geboten hatte, waren die Erwartungen an das Treffen in Berlin hochgesteckt. Sie wurden nicht nur nicht enttäuscht, sondern noch übertroffen.
Das lag keineswegs nur an der Teilnehmerzahl, die mit 700 Gemeindemitgliedern aus ganz Deutschland eine ganz neue Stufe erreichte, sondern noch mehr an der Qualität: Das Veranstaltungsangebot des diesjährigen Gemeindetages war bewusst differenziert. Damit konnten sich die Teilnehmer mit Themen wie Identität, Pluralismus im Judentum, jüdische Geschichte oder Situation in Israel befassen, aber auch Fragen aufgreifen, die man vielleicht eher bei einer Veranstaltung über Strategie und Geopolitik vermutet hätte, darunter Fragen zum israelischen Verhältnis zu dem Iran und der Türkei. Mit dieser Themenauswahl trugen die Veranstalter dem heute real bestehenden Informationsbedarf der jüdischen Gemeinschaft Rechnung: Es sind längst nicht nur „klassische“ jüdische Probleme, die uns beschäftigen. Auch das internationale Umfeld beeinflusst das jüdische Sein und Bewusstsein entscheidend.
Allerdings war der Gemeindetag nicht als reine Informationsveranstaltung konzipiert. Es ging auch um Zusammenhalt und Gemeinschaft, wie Zentralratspräsident Dr. Dieter Graumann betonte. Darauf war das verlängerte Wochenende in mehrfacher Hinsicht ausgelegt. Zum einen bot es Gelegenheit für die Vertiefung bestehender Kontakte unter Teilnehmern aus allen Teilen der Republik und für neue Bekanntschaften. Das wird mit Sicherheit die überregionale Zusammenarbeit unter den jüdischen Gemeinden erleichtern und die bundesweite Vernetzung fördern. Gewiss: Im elektronischen Zeitalter ist Kommunikation viel leichter als je zuvor, wirklich erfolgreich wird sie aber erst, wenn man die Personen, mit denen man unter Nutzung modernster Technologie in Verbindung tritt, auch kennt. Der „Faktor Mensch“ bleibt unersetzlich – auch für unsere jüdische Zukunft, um die es in Berlin ging.
Die Anberaumung der jährlichen Ratsversammlung – sie ist das oberste beschlussfassende Gremium des Zentralrats – im Anschluss an den Gemeindetag verstärkte ebenfalls das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Bereits während des Gemeindetages hatte sich das Zentralrats-Präsidium den Teilenehmern vorgestellt. Und natürlich blieb es nicht bei dieser einen Zusammenkunft. Vielmehr waren die Präsidiumsmitglieder in den gesamten Ablauf eingebunden. Hier wurde verdeutlicht, dass sich die Führungsgremien des Zentralrats als Teil des Ganzen verstehen und auch so handeln. Nicht, dass sie sonst abgehoben wären; für Bodenhaftung sorgen ihr persönliches Engagement und die demokratischen Strukturen unserer Organisation. Allerdings wurde der ohnehin rege Austausch noch weiter vertieft.
Das jüdische Groß-Event stieß in der jüdischen wie der nichtjüdischen Öffentlichkeit in Deutschland wie in der jüdischen auf starken Widerhall. Die große Relevanz, die der jüdischen Gemeinschaft in der Bundesrepublik zukommt, kam sehr deutlich in dem Besuch zum Ausdruck, den Bundespräsident Joachim Gauck dem Gemeindetag abstattete, und in der herzlichen Begrüßung durch Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit sowie im großen Medieninteresse. Die grenzübergreifende jüdische Dimension des Gemeindetages wurde an der Teilnahme von Moshe Kantor, Präsident des Europäisch-Jüdischen Kongresses, und von Yakov Hadas-Handelsman, Israels Botschafter in Deutschland, klar erkennbar. So kann der Zentralrat eine überaus positive Bilanz des Berliner Treffens ziehen. Die hierbei gesammelten Erfahrungen kommen der Arbeit unserer Organisation zweifelsohne auch in Zukunft zugute.

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