13. Jahrgang Nr. 10 / 31. Oktober 2013 | 27. Heshvan 5774

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Zertifikat:

Anfang Oktober führte der Zentralrat der Juden in Deutschland ein Fortbildungsseminar für Mohalim (jüdische Beschneider) durch. Die Teilnehmer wurden fachlich sowohl in Fragen der neuen Rechtslage als auch der Schmerzbehandlung und Hygiene unterwiesen. Als Referenten konnte der Zentralrat Prof. Dr. Kyrill-A. Schwarz von der Universität Würzburg, den Ärztlichen Direktor des Jüdischen Krankenhauses Berlin, Prof. Dr. Hans Kristof Graf, sowie Martin Müller, Hygienebeauftragter im Jüdischen Krankenhaus, gewinnen. Die Mohalim erhielten anschließend ein Zertifikat.
Der Vizepräsident des Zentralrats, Dr. Josef Schuster, leitete das Seminar. Dr. Schuster erklärte, durch eine Zertifizierung werde die Durchführung der Brit Mila entsprechend den in Deutschland geltenden Rechtsvorschriften sichergestellt. „Dies gilt einerseits dem Schutz der Säuglinge, andererseits aber auch dem Schutz der Mohalim“, so der Zentralrats-Vizepräsident.
Seit der Verabschiedung des sogenannten Beschneidungsgesetzes im Dezember 2012 bietet der Zentralrat eine zertifizierte Zusatzausbildung für jüdische Beschneider an. Im Gesetz ist vorgesehen, dass Jungen bis zum Alter von sechs Monaten auch von Nicht-Ärzten beschnitten werden dürfen, sofern diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst verfahren.

Jews Go Green:

Die Umweltinitiative des Zentralrats der Juden in Deutschland, Jews Go Green, entwickelt neue Aktivitäten – auch grenzübergreifend. Im September führte Jews Go Green in Warschau eine gemeinsame Veranstaltung mit dem dortigen jüdischen Gemeindezentrum durch. Die Veranstaltung, „Eko Szuk“, zu der insgesamt 70 Teilnehmer begrüßt werden konnten, zeigte Möglichkeiten auf, Judentum und Ökologie zu verbinden. Unter anderem wurde eine Sukka aus Recycling-Materialien gebaut. Im Rahmen des „Eko Szuk“ nahm auch Polens Oberrabbiner Michael Schudrich an einer Diskussion teil.
Im Oktober fand in Kiel ein Workshop zu Energiesparen statt. Unter anderem befassten sich die Teilnehmer mit dem Zusammenhang zwischen Chanukka und Ressourcenverbrauch. Ende September hielt die Dozentin Monika Miklis in Emmendingen einen Vortrag über Judentum und Umwelt. In ihrem Vortrag schilderte Monika Miklis auch die Arbeit von Jews Go Green. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Europäischen Tages der jüdischen Kultur statt.

Bayern:

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, wurde mit dem Bayerischen Preis für Unterricht und Kultus ausgezeichnet. Die Auszeichnung wurde vom bayerischen Kultusminister Ludwig Spaen­le überreicht. Spaenle würdigte Knoblochs Einsatz für die Aussöhnung von Juden und Nichtjuden sowie ihre Rolle als Repräsentantin und Botschafterin des Judentums in Deutschland.

Niedersachsen:

Der niedersächsische Landtag hat den neuen Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden des Bundeslandes gebilligt. Der neue Vertrag sieht eine Erhöhung der für die Gemeindeverbände zur Verfügung gestellten Fördermittel vor. Ab 2014 erhält der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen 2,31 Millionen Euro pro Jahr statt bisher 1,36 Millionen Euro. Der kleinere Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Niedersachsen wird künftig mit 375.000 Euro pro Jahr statt bisher 327.000 gefördert. Nach Angaben der Landesregierung richtet sich die Erhöhung der Zuwendungen nach den in anderen Bundesländern durchschnittlich gezahlten Beträgen. Dank der neuen Etatmittel sollen die Gemeinden in die Lage versetzt werden, künftig mehr Rabbiner einzustellen, die Schülerbeförderung zum Religionsunterricht zu unterstützen oder weitere Friedhofsflächen zu erwerben.

Baden:

Der Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden hat im September einen neuen Vorstand gewählt. Neue Vorsitzende wurde Orna Marhöfer. Orna Marhöfer ist Delegierte der Jüdischen Gemeinde Mannheim. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden Irina Katz (Israelitische Gemeinde Freiburg) und Felix Spektor (Israelitische Kultusgemeinde Konstanz) gewählt. Hanna Scheinker von der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach und Dr. Robert Fritsch von der Jüdischen Kultusgemeinde Heidelberg werden als Beiräte tätig sein.

Sachsen-Anhalt:

Am 13. Oktober fand in Magdeburg der erste Gemeindetag des Landesverbandes jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt statt. Bei dem Gemeindetag waren eine Reihe jüdischer Organisationen sowie die israelische Botschaft vertreten. Für den Zentralrat der Juden in Deutschland nahm Generalsekretär Stephan J. Kramer an der Veranstaltung teil. In seiner Ansprache würdigte Kramer den Aufbau jüdischen Lebens in Sachsen-Anhalt nach der deutschen Wiedervereinigung und betonte die entscheidende Rolle, die Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion dabei gespielt haben. Dem Landesverband gehören die jüdischen Gemeinden in Magdeburg, Halle und Dessau an.
In seiner Ansprache ging der Generalsekretär des Zentralrats auch auf die neonazistischen Schmierereien in der sachsen-anhaltischen Stadt Salzwedel Anfang Oktober ein. Kramer warnte davor, es angesichts der rechtsextremistischen Gefahr bei „Entsetzen, Wut und Ratlosigkeit“ zu belassen. Vielmehr sei es höchste Zeit, „jeden Stein umzudrehen, um diese braune Pest ernsthaft zu bekämpfen“. Kramer wies auch auf die systematische Unterwanderung staatlicher Institutionen durch die „neuen Rechten“ hin.

Lebensgeschichten:

Im Kölner Emons Verlag ist das Buch „Lebenswege und Jahrhundertgeschichten. Erinnerungen jüdischer Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion in Nordrhein-Westfalen“ erschienen. Das 544 Seiten starke Buch dokumentiert den Lebensweg von 40 jüdischen Zuwanderinnen und Zuwanderern aus der ehemaligen UdSSR, die heute in Nordrhein-Westfalen leben. Im Mittelpunkt stehen Überlebende des Holocaust. Bei den Lebensgeschichten handelt es sich um Auszüge aus Interviews, die in den Jahren 2009 bis 2012 vom NS-Dokumentationszentrum in Köln mit den betreffenden Personen geführt wurden.

Erlangen:

In Erlangen wurde das Freie Jüdische Lehrhaus ins Leben gerufen. Sitz des Lehrhauses ist die Jüdische Kultusgemeinde der Stadt. Dort wird ein vielfältiges Angebot an Vorträgen und Diskussionsabenden angeboten. Die Veranstaltungen richten sich sowohl an jüdische als auch an nichtjüdische Teilnehmer. Damit soll das Lehrhaus auch Angehörigen anderer Religionen Einsichten in die Religion und die geistige Welt des Judentums bieten. An der Gründungsfeier nahmen neben Gemeinderabbiner Dani Danieli unter anderem auch Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis und Hans-Hermann Hann, Vorsitzender des Freundeskreises der Jüdischen Kulturgemeinde Erlangen, teil.

Osnabrück:

Anfang Oktober nahmen in Osnabrück zahleiche Stadtbürger an einer Langen Nacht teil. Allerdings nicht etwa in einer Disko, sondern in der Synagoge. Dort erläuterte Rabbiner Moshe Baumel Grundbegriffe des Judentums und die in einer Synagoge üblichen Bräuche. Kantor Baruch Chauskin trug synagogale Gesänge vor und demonstrierte dabei die Vielfalt jüdischer Musik. Die Lange Nacht klang mit einem Buffet und einem kleinen Konzert von Kantor Chauskin mit Pianobegleitung aus.

Amcha:

Der Vorsitzende des Kuratoriums der deutschen AMCHA-Stiftung, Dr. Christian Staffa, wurde für eine weitere Amtszeit wiedergewählt. Die deutsche AMCHA-Stiftung fördert die Arbeit der gemeinnützigen israelischen Organisation AMCHA, die Holocaust-Überlebenden psychosoziale Hilfe leistet. In Deutschland engagiert sich die AMCHA-Stiftung für Begegnungen zwischen Holocaust-Überlebenden und Jugendlichen.