13. Jahrgang Nr. 9 / 27. September 2013 | 23. Tischri 5774

Der Referent und die Rassisten

Die Geschichte, um die es geht, begann vor rund anderthalb Jahren. Professor Moty Cristal war zu einem im nordenglischen Manchester anberaumten Workshop des britischen Gesundheitswesens NHS über das Verhältnis von Management und Gewerkschaften eingeladen worden. Aus gutem Grund: Cristal ist ein international angesehener und international gefragter Experte für Krisenmanagement.

Dann aber, im Mai 2012, flatterte dem Tel Aviver Fachmann eine Absage auf den Tisch – oder eher gesagt in den E-Mail-Eingang. Mitglieder von UNISON, der britischen Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst, erläuterten die Veranstalter, hätten angekündigt, der Veranstaltung fernzubleiben. Und zwar, weil die Gewerkschaft „das palästinensische Volk unterstützt“. Oder mit anderen Worten: weil Moty Cristal Israeli ist. Noch genauer: israelischer Jude. Gegen einen Israeli arabischer Volkszugehörigkeit hätten die zartfühlenden Gewerkschaftsvertreter nämlich wohl kaum Einwände gehabt.

Jetzt hat Cristal UNISON und die Veranstalter vor einem Londoner Gericht wegen Diskriminierung verklagt. Cris­tals Anwälte erklärten gegenüber der britischen Zeitung Independent, ein aufgrund israelischer Staatsangehörigkeit ausgesprochener Boykott sei nach britischem Recht gesetzwidrig. Anwältin Dinah Rose, die zu Cristals Rechtsvertretern gehört, betonte, ihr Mandant wolle sein Recht auf Gleichbehandlung ohne Diskriminierung, „insbesondere ohne Diskriminierung aus Gründen der Rasse“, durchsetzen. Der Fall, so Rose, sei zugleich von großem öffentlichem Interesse, weil er die Illegalität des Boykotts gegen Israelis oder Personen mit Bindungen an den Staat Israel in den Mittelpunkt rücke. zu