13. Jahrgang Nr. 9 / 27. September 2013 | 23. Tischri 5774

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Mitzvah Day:

In diesem Jahr findet der vom Zentralrat der Juden in Deutschland initiierte Mitzvah Day – Tag der guten Tat – bundesweit statt. Nachdem bei der vorjährigen Mitzvah-Day-Aktion die Teilnehmer großes Engagement an den Tag gelegt hatten, lud der Zentralrat in diesem Jahr alle jüdischen Einrichtungen in der Bundesrepublik ein, am kommenden Mitzvah Day, dem 17. November, mitzuwirken.

Bereits im Vorfeld ist zu erkennen, dass der Aktion ein großer Erfolg beschieden sein dürfte. Die Zahl der Projekte, die für den Mitzvah Day 2013 angemeldet wurden, übertraf bereits wenige Wochen nach Eröffnung der Anmeldung das Vorjahresergebnis. Neben jüdischen Gemeinden treten unter anderem auch jüdische Schulen und Vereine an. Zudem zeichnen sich die angemeldeten Projekte durch große Ideenvielfalt aus.

Alle Projekte werden am 17. November dokumentiert. Zu diesem Zweck lassen die teilnehmenden Einrichtungen dem Zentralrat abschließende Berichte und Fotos zukommen, die im Internetauftritt von Mitzvah Day Deutschland und in anderen sozialen Medien eingestellt werden können. Einrichtungen, die Interesse an der Teilnahme haben, sich bisher aber nicht angemeldet haben, können dies noch bis 7. Oktober nachholen. Weiterführende Informationen unter www.mitzvah-day.de.

Partnerschaft:

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich dem Kreis der Partner des von der brandenburgischen Stadt Oranienburg und der Gedenkstätte Sachsenhausen verliehenen Franz-Bobzien-Preises angeschlossen. Mit der bis 2013 als Oranienburger Toleranzpreis bekannten Auszeichnung werden Berliner und Brandenburger Projekte zur historisch-politischen Bildung und zur Demokratieförderung ausgezeichnet. Projekte, die sich der Aufarbeitung des Nationalsozialismus mit dem Ziel der Stärkung einer demokratischen und toleranten Gesellschaft widmen, werden in besonderem Maße berücksichtigt.

Franz Bobzien war ein sozialistischer Politiker, Pädagoge und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Er war sieben Jahre lang inhaftiert, unter anderem im Konzentrationslager Sachsenhausen. Nach dem Bericht eines polnischen Sachenhausen-Überlebenden nahm Bobzien als Blockältester auch zwei jüdische Jungen in den von ihm betreuten Jugendblock auf und tarnte sie als Nichtjuden. Im Jahr 1941 kam er bei Bombenräumungsarbeiten, zu denen er im Rahmen eines Außenkommandos nach Berlin abkommandiert worden war, ums Leben.

Koblenz:

Der Stadtrat von Koblenz hat beschlossen, den drei Gebäude umfassenden Komplex, in dem sich bis 1938 die alte Synagoge befand, an einen gewerblichen Investor zu verkaufen. Damit wurde der ebenfalls angemeldete Wunsch der Jüdischen Gemeinde Koblenz, das historische Synagogengebäude zu kaufen, abgelehnt. Die aus ökonomischen Erwägungen getroffene Entscheidung der Stadt wurde vom Vorsitzenden der Gemeinde, Heinz Kahn, als „verständlich“, aber auch als „traurig“ bezeichnet und von den beiden Kirchen bedauert. Nun will die Stadt der Gemeinde alternative Standorte vorschlagen. Gegenwärtig dient die alte Trauerhalle des jüdischen Friedhofs als Synagoge.

Die historische Synagoge hatte der Koblenzer Gemeinde in den Jahren 1847 bis 1938 gedient. In der „Reichskristallnacht“ im November 1938 wurde die Inneneinrichtung des Gotteshauses zerstört. Im Jahr 1947 erhielt die Gemeinde das Grundstück zurück, musste es aber, finanzieller Not gehorchend, an die Stadt verkaufen.

Düsseldorf:

Die Verlegerin Friede Springer wurde mit der diesjährigen Josef-Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 10. Oktober in der Hauptstadt Nordrhein-Westfalens statt. Die Düsseldorfer Gemeinde ehrt mit der Medaille nichtjüdische Persönlichkeiten, die sich um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem die früheren Bundespräsidenten Johannes Rau und Roman Herzog sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Preis erinnert an den herausragenden jüdischen Juristen und früheren NRW-Justizminister Josef Neuberger (1902–1977).

Berlin:

Sind Juden ein Hingucker? Manchmal ja. So bei der im Jüdischen Museum Berlin nach mehr als fünf Monaten zu Ende gegangenen Ausstellung „Die ganze Wahrheit … was Sie schon immer über Juden wissen wollten“. Die zum Teil provokative Schau (siehe Zukunft April 2013) konnte 53.000 Besucher begrüßen und zählt damit zu den bestbesuchten Veranstaltungen des Hauses.