13. Jahrgang Nr. 8 / 30. August 2013 | 24. Elul 5773

Zeitlose Werte

Der Bund traditioneller Juden tagte in Würzburg

Der Bund traditioneller Juden in Deutschland kann sich über wachsende Popularität freuen. Gehörten dem BtJ, wie der Name abgekürzt wird, bei seiner Gründung Anfang des vergangenen Jahres sechs Gemeinden an, so sind es inzwischen dreizehn. Allerdings geht es dem Bund, der orthodox geführte Gemeinden stärken und unterstützen will, nicht nur um Quantität um ihrer selbst willen. Vielmehr versucht er, die geistigen Grundlagen des Judentums zu fördern und zu vermitteln.
Diesem Zweck diente auch das zweite Schabbaton, das der BtJ im Juli in der Israelitischen Gemeinde Würzburg durchführte. Das Interesse an der Veranstaltung war rege, wie die Ankunft von 160 Teilnehmern bewies, die der Gastgeber Dr. Josef Schuster, Vorsitzender der Würzburger Gemeinde und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, begrüßen konnte. Unter ihnen waren unter anderem auch Mitglieder der Orthodoxen Rabbinerkonferenz. Zu den Mitveranstaltern gehörten die Studentenorganisation Morasha, das Frankfurter Forum für junge Erwachsene „Jewish Experience“ und das „3 Rabbiner Seminar“ von Rabbiner Avichai Apel (Dortmund), Rabbiner Jaron Engelmeyer (Köln) und Rabbiner Julian-Chaim Soussan (Mainz).
„Zeitlose Werte in einer wertelosen Zeit“ lautete das Tagungsthema. Wie BtJ-Vorsitzender Michael Grünberg (Osnabrück) präzisierte, finde das traditionelle Judentum seine Wertorientierung in erster Linie in der Halacha. Dies wurde während der Tagung in verschiedenen Workshops vertieft. So sprach Rabbiner Engelmeyer anhand verschiedener Tora-Texte über das Verhältnis von göttlicher und menschlicher Moral, während Rabbiner Baumel (Osnabrück) in seinem Schiur argumentierte, dass das Tora-Gebot, ein heiliges Volk zu sein (3. Moses 19:1–2), erst durch die Halacha zu einem Maßstab geworden sei, der es gewöhnlicher Ethik und dem Rationalismus überlegen mache.
Zu den Referenten gehörte auch der Präsident der Zentralkonferenz Europäischer Rabbiner, Pinchas Goldschmidt. Er referierte unter anderem über den Status der Frau im Judentum. Dass Frauen, im Unterschied zu Männern, von allen zeitgebundenen Geboten der Tora befreit sind und deshalb in einer orthodox geführten Synagoge nur passiv teilnehmen können, habe vor allem mit ihrer traditionellen Bedeutung für die jüdische Familie zu tun. Dagegen könne man argumentieren, dass Frauen heute ungleich besser gebildet seien als früher. Ihre Stellung in der Synagoge deshalb zu verändern, verlange allerdings, weitere Aspekte zu erwägen.
Michael Grünberg und sein BtJ-Vorstandskollege David Seldner (Karlsruhe) freuten sich, dass so viele religiös traditionell lebende Familien an diesem Schabbaton teilnahmen. Gerade kleine und mittelgroße Gemeinden, betonten sie, könnten ihr jüdisches Leben mit Hilfe solcher Mitglieder spürbar bereichern. www.btjd.de

hpk