13. Jahrgang Nr. 8 / 30. August 2013 | 24. Elul 5773

Volles Programm

Die Union progressiver Juden tagte in Berlin

Das Hotel im Berliner Johannesstift platzte aus allen Nähten. Unter dem schon traditionellen Titel „Liberales Judentum heute“ waren zur 19. Jahrestagung der Union progressiver Juden in Deutschland (UpJ) vom 11. bis 14. Juli rund 250 Teilnehmer gekommen, so viele wie nie zuvor – und darüber hinaus 23 Kinder. Erstmals wurde nämlich nicht nur eine Betreuung der Kleinen angeboten, sondern eine begleitende „Kindertagung“.
Das erwies sich als ein Hit. Cornelia aus Freiburg etwa hatte sich jahrelang nicht entschließen können, den weiten Weg nach Berlin anzutreten und ihre Tochter nur zur „Aufbewahrung“ abzugeben. Jetzt aber änderte das nach Altersgruppen differenzierte Programm für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren die Situation. Dieses Mal waren Mutter und Tochter dabei.
Während die Kinder auf dem weiträumigen Gelände im Spiel durch die Wüste zogen und Zelte bauten oder für ihre eigenen Schabbat-Gottesdienste Challot backten, hatten ihre Eltern die Qual der Wahl. Allein am Freitag standen ihnen auf Deutsch, Russisch und Englisch rund 30 Workshops, Schiurim und Vorträge zur Verfügung – von Anregungen für Gottesdienste oder Auslegungen der aktuellen Haftara über das Handwerk eines Toraschreibers bis hin zu israelischen Tänzen.
Über praktische Aspekte eines offenen und zeitgemäßen Religionsunterrichts diskutierten vorwiegend pä­dagogisch qualifizierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Zürcher Soziologin Sylvia Dym. Sie hatte Anfang des Jahres ein Lehrbuch für jüdischen Unterricht mit Kindern zwischen sechs und acht Jahren publiziert – ein Gemeinschaftsprojekt der Jüdischen Liberalen Gemeinde „Or Chadasch“ Zürich und der UpJ in Deutschland. In Spandau stellte die Autorin nun den zweiten Band vor: Rosch Pina Ophir. Dieses Buch ist für den Unterricht mit Kindern bis zehn Jahren gedacht. Ein dritter Band für die bis Dreizehnjährigen soll noch im Laufe dieses Jahres erscheinen. Dazu will Sylvia Dym auch Lehrerhandreichungen und Arbeitsblätter erarbeiten. In Berlin suchte sie deshalb Austausch mit anderen, vor allem auch Anregungen und Mitarbeit von Lehrern, die jüdische Religion unterrichten.
Von den 23 Mitgliedsgemeinden der UpJ waren 21 in Spandau vertreten. Es waren auch viele Teilnehmer dabei, die anderen Gemeinden angehören, zudem Mitglieder der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK), da­runter Rabbiner Dr. Henry G. Brandt (Augsburg) und der niedersächsische Landesrabbiner Jonah Sievers. Auch Alexander Lyskovoy, Rabbiner der jüdischen Reformgemeinde von Moskau, gehörte zu den Referenten.
„Wir verstehen uns als die Stimme des liberalen Judentums in Deutschland“, betonte die Vorsitzende der UpJ, Sonja Güntner (Köln). Als religiösem Bekenntnisverband, kündigte sie an, werde der Organisation voraussichtlich noch in diesem Jahr der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. www.liberale-juden.de

hpk