13. Jahrgang Nr. 8 / 30. August 2013 | 24. Elul 5773

Erfolg durch Engagement

Der jüdische Sport in der Bundesrepublik entwickelt sich positiv / Interview mit dem Präsidenten von Makkabi Deutschland, Peter Guttmann

Der Sportverband Makkabi Deutschland konnte im Juli dieses Jahres gleich zwei Erfolge verbuchen: ein hervorragendes Abschneiden bei der 19. Maccabiah, den jüdischen Weltsportspielen, in Israel und die Wahl Berlins als Austragungsort der Europäischen Maccabi Games 2015. Über diese Erfolge und über die Entwicklung jüdischen Sports in der Bundesrepublik sprach die „Zukunft“ mit dem Präsidenten von Makkabi Deutschland, Peter Guttmann.

Zukunft: Herr Guttmann, sind Sie mit der Maccabiah zufrieden?
Peter Guttmann: Wir sind sehr zufrieden. Zu der Maccabiah 2013 konnten wir die mit über 200 Personen größte Maccabiah-Delegation in der Geschichte unseres Verbandes entsenden. Das Team Makkabi Deutschland gewann fünf Goldmedaillen, eine Silbermedaille und sieben Bronzemedaillen. Das waren zum Beispiel mehr Goldmedaillen als 2009. Besonders erfolgreich waren unsere Aktiven im Tischtennis und Fechten. Im Tischtennis gab es zwei goldene und zwei bronzene Medaillen und im Fechten sogar zwei Mal Gold und drei Mal Bronze. Aber auch die wirklich zahlreichen guten Leistungen abseits des Siegerpodests sind wichtig. Es gab viele persönliche Bestzeiten und Leistungssteigerungen.

Welchen Platz nahm Makkabi Deutschland in der Mannschaftswertung ein?
Leider gibt es vonseiten der Maccabiah-Organisatoren immer noch keinen offiziellen Medaillenspiegel. In einem High-Tech-Land wie Israel hätte ich anderes erwartet. Aber ich kann sicher sagen, dass wir hinter den großen Nationen wie USA, Kanada und logischerweise auch Israel lagen, vermutlich aber unter den ersten 10 von immerhin 80 teilnehmenden Nationen.

Auf welche Faktoren führen Sie diese Erfolge zurück?
Natürlich sind Begabung und Trainingsfleiß der Sportler für Erfolge wichtig. Allerdings wären die guten Ergebnisse nicht ohne das Herzblut und den ehrenamtlichen Einsatz von Trainern und Betreuern möglich, die Woche für Woche, teilweise in ihrer Freizeit, die Sportler fördern, anleiten und sie zum Erfolg führen. Sportlerinnen und Sportler aus den jüdischen Gemeinden lade ich ein, sich bei uns zu melden, egal in welchem Vereinen sie spielen, egal welche Sportart sie betreiben. Immerhin stehen in Berlin 2015 „Heimspiele“ für Makkabi Deutschland an. Wir haben bereits mit der Suche nach neuen Mitgliedern unserer jüdisch-deutschen Nationalmannschaft begonnen!

Berlin wurde als Austragungsort der Europäischen Maccabi Games für 2015 gewählt. Gab es bei der European Maccabi Confederation oder bei einzelnen Länder-Verbänden auch Widerstand dagegen?
Die Vergabe war keine einstimmige Entscheidung, und auch bei Makkabi Deutschland haben sich einige gegen Berlin ausgesprochen, solange es in Deutschland Überlebende des Holocaust gibt. Allerdings sieht die Mehrheit bei uns und der European Maccabi Confederation die Zeit aber als reif an. Eben weil der Nationalsozialismus alles Jüdische vernichten wollte, setzt so ein Ereignis ein Zeichen, dass wir hier leben und unsere Traditionen pflegen. Für mich ist es aber vor allem ein historisches Ereignis, das erste jüdische Sportgroßevent in Deutschland nach dem Holocaust.

Wie wird Makkabi Deutschland die Spiele 2015 vorbereiten?
Die eigentlichen Vorbereitungen für die Europäischen Maccabi Games 2015 laufen erst nach der bei uns im November dieses Jahres anstehenden Präsidiumswahl an, denn dieses dann gewählte Präsidium richtet die Spiele in Berlin aus. Es gibt aber bereits Konzepte und Überlegungen, und vieles wurde schon in die Wege geleitet. Die Organisation wird sowohl finanziell als auch organisatorisch einen großen Kraftakt darstellen. Wir sind aber sicher, die Aufgabe erfolgreich meistern zu können.

Wie hat sich Makkabi Deutschland in den letzten Jahren entwickelt?
Wir sind auf einem guten Weg. Immer mehr Sportlerinnen und Sportler sind bei Makkabi aktiv, vor allem aber auch in den Makkabi-Ortsvereinen, die bekanntlich Athleten jeglicher Herkunft und Religion offenstehen. Aber genauso gibt es auch Probleme, mit denen wir umgehen müssen: Es ist nicht leicht für die Vereine, Gelder aufzubringen oder auch nur ehrenamtliche Trainer und Helfer zu finden. Auch wir als Verband müssen uns strecken, um unsere Aufgaben erfüllen zu können, und sind immer auf der Suche nach Partnerschaften und Unterstützung.
Deswegen streben wir eine zunehmende Professionalisierung unseres Verbandes an, um noch erfolgreicher zu sein und auch noch mehr Öffentlichkeit und Sponsoring zu erhalten, um eben auch mehr Mittel für Sportprojekte zu haben. Förderer wie der Zentralrat der Juden in Deutschland oder das Bundesinnenministerium sind dabei treue Partner, auf die wir uns immer verlassen können. Aber wir haben zum Beispiel auch im vergangenen Jahr zusätzlich die Makkabi Deutschland Gala als Teil unseres öffentlichen Auftretens ins Leben gerufen – mit großem Erfolg. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Gala am 19. Oktober in Berlin.

In welchem Maß haben Makkabi-Sportler unter Antisemitismus zu leiden, und was kann dagegen unternommen werden?
Das Problem trifft direkt die Lokalvereine. Zu antisemitischen Vorfällen kommt es fast ausschließlich im Fußball. Das ist nicht nur für die Verbände, den Deutschen Fußball-Bund und den Zentralrat ein Thema. Auch die lokalen Medien greifen die Angelegenheiten auf. In der Regel wird der Fall beim zuständigen Verband aufgearbeitet, um die Dinge abzuklären und Wiederholungen zu vermeiden.
Wir als Makkabi Deutschland unterstützen unsere Lokalvereine nach besten Kräften und sind zum Beispiel auch in einer Organisation namens „Nie wieder“ aktiv. Dahinter steht Diakon Eberhard Schulz von der der Dachauer Versöhnungskirche, der sich vor allem im Fußball engagiert, um Kulturen an einen Tisch zu bringen und Vorurteile abzubauen. Er hat 2004 die „Initiative Erinnerungstag im Deutschen Fußball“ gegründet, deren zehnjähriges Jubiläum im Januar 2014 unter Beteiligung das Deutschen Fußball-Bundes, der Deutschen Fußbal Liga und Makkabi Deutschland gefeiert wird.