13. Jahrgang Nr. 7 / 26. Juli 2013 | 19. Aw 5773

AUS DEN GEMEINDEN – JÜDISCHES LEBEN

Integration:

Im Jahr 2014 fördert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) rund 70 Integrationsprojekte, darunter auch Jugendprojekte. Unter anderem sollen das ehrenamtliche Engagement von Migrantenorganisationen zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, die wechselseitige Akzeptanz und der Dialog zwischen der Aufnahmegesellschaft und Migrantengruppen gefördert werden. Förderanträge können auch für Projekte zur Integration jüdischer Zuwanderer gestellt werden. Die Förderung erfolgt als Anschubfinanzierung für eine Periode von bis zu drei Jahren, wobei die Fördersumme bis zu 50.000 Euro pro Jahr beträgt. Letzte Antragsfrist ist der 31. Oktober 2013. Die Anträge sind an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Referat 332, Frankenstraße 210, 90461 Nürnberg, einzusenden. Weiterführende Informationen unter: http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Integrationsprojekte/oeffentliche-bekanntmachung-foerderjahr2014-pdf.html?nn=1367646.

NRW:

In Begleitung der Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, besuchten eine Jugendgruppe der Union Progressiver Juden in Deutschland und eine Schülergruppe des Albertus-Magnus-Gymnasiums aus Bergisch Gladbach die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Mit einer Kranzniederlegung gedachten die Ministerpräsidentin und die Jugendlichen an der Todesmauer neben der Baracke 11 der Opfer der NS-Verbrechen. Die Teilnehmer waren einer Einladung der NRW-Stiftung „Erinnern ermöglichen“ gefolgt, die Auschwitz-Gedenkreisen für Schüler und Jugendliche finanziert.

Kassel:

Im Juni fand in der Jüdischen Gemeinde Kassel eine turnusgemäße Neuwahl des Gemeindevorstands statt. Aus der Wahl ging folgender Vorstand hervor: Rachel Grossbach, Esther Haß, Ilana Katz, Wyatcheslaw Lagodinsky, Stanislaw Tynovsky. Bei der konstituierenden Sitzung des neuen Vorstands wurde Ilana Katz in ihrem Amt als Gemeindevorsitzende bestätigt. Rachel Grossbach wurde in Anerkennung ihrer außergewöhnlichen Leistungen für die Jüdische Gemeinde Kassel zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Grigori Lagodinsky, der acht Jahre lang als eines der jüngsten Vorstandsmitglieder einer jüdischen Gemeinde in Deutschland – darunter auch als stellvertretender Vorsitzender – tätig war, trat aus beruflichen Gründen nicht zur Wahl an.

Lörrach:

In der Israelitischen Kultusgemeinde (IRG) Lörrach wurde turnusgemäß der Gemeindevorstand gewählt. Dabei wurde Hanna Scheinker (Weil am Rhein) für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. Sie steht seit elf Jahren an der Spitze der jüdischen Gemeinde. Weitere Vorstandsmitglieder sind Anna Schneider und Maryna Berezowska (beide Lörrach). Gleichzeitig wurde der Jugendbeirat der Gemeinde gewählt. Vertreter der jungen Generation ist Konstantin Galizdra (Lörrach). Die Gemeinde zählt 470 Mitglieder, die größtenteils in Lörrach und in Weil am Rhein leben.

Bayreuth:

Die Regierung von Oberfranken hat Städtebaufördermittel im Wert von 480.000 Euro für den geplanten Umbau der Synagoge in Bayreuth bewilligt. Hierbei handelt es sich um einen ersten Teilbetrag des Gesamtzuschusses. Damit ist die Realisierung des Projekts näher gerückt. Die Israelitische Kultusgemeinde von Bayreuth will das Gebäude, dessen Innenraum zuletzt vor fünf Jahrzehnten umgestaltet wurde, an heutige Bedürfnisse anpassen und dem historischen Vorbild näher bringen. Die Bayreuther Synagoge ist die älteste noch genutzte Synagoge in Deutschland. Das Gebäude wurde 1714 errichtet und wurde seit 1759 von der Jüdischen Gemeinde genutzt. Während der „Reichskristallnacht“ wurde das Innere der Synagoge verwüstet, während die äußere Gestalt erhalten blieb.

Cottbus:

Im Juni 2013 fand in Brandenburg die 13. Internationale Folklorelawine statt. Bei dem Tanzfest waren 15 Ensembles aus verschiedenen Ländern vertreten. Für Deutschland trat in diesem Jahr „Nefesch Harikud“ (Seele des Tanzes) – die Tanzgruppe der Jüdischen Gemeinde Cottbus – an. Die Gruppe präsentierte israelische Tänze. „Nefesch Harikud“ nimmt seit über acht Jahren an zahlreichen Veranstaltungen der Stadt Cottbus und des Landes Brandenburg teil.

Delmenhorst:

Die Jüdische Gemeinde Delmenhorst hat auf dem jüdischen Friedhof der Stadt Überwachungskameras installiert. Damit hat die Gemeinde auf wiederholte Grabschändungen reagiert. 2012 waren mehrere Gräber geschändet worden. Die neuen Überwachungskameras bieten rund um die Uhr einen vollständigen Blick auf den Friedhof. Die Aufnahmen können drei Monate lang abgerufen werden.

Berlin:

Der jüdische Friedhof im Berliner Stadtteil Weißensee ist erstmals systematisch erforscht worden. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden jüngst vom Landesdenkmalamt und der Technischen Universität Berlin vorgestellt. Unter dem Titel „115 628 Berliner. Der Jüdische Friedhof Weißensee – Dokumentation der flächendeckenden Erfassung der Grabstätten“ wird der 1880 angelegte Friedhof auf 110 Seiten dargestellt. Unter anderem gibt die Untersuchung Auskunft über die Herkunftsorte der Gemeindemitglieder. Zudem wurde untersucht, wie sich die Inschriften auf den Grabsteinen im Lauf der Zeit veränderten, aus welchem Material die Grabzeichen gefertigt wurden und in welchem Zustand sie sich heute befinden. Der Friedhof Weißensee weist eine Fläche von 42 Hektar auf und gilt als flächengrößter jüdischer Friedhof in Europa. Er verfügt über Alleen von einer Gesamtlänge von 14 Kilometern.

Regensburg:

Die Jüdische Gemein de Regensburg plant den Bau eines Gemeindezentrums mit einer neuen Synagoge. Der derzeit für Gottesdienste genutzte Mehrzwecksaal der Gemeinde, der nur bis zu 100 Personen Platz bietet, ist für die Gemeinde zu klein. Das neue Gemeindezentrum soll neben der auf 200 Beter ausgelegten Synagoge Veranstaltungsräume und einen Verwaltungsbereich umfassen. Die Kosten des Projekts liegen bei fünf Millionen Euro. Dabei wird die Gemeinde von dem für diesen Zweck gegründeten „Freundeskreis neue Synagoge Regensburg“ unterstützt. Die frühere Jugendstil-Synagoge der Stadt wurde in der „Reichskristallnacht“ von 1938 zerstört.