13. Jahrgang Nr. 6 / 28. Juni 2013 | 20. Tammus 5773

Nicht ausgestanden

Der Anfang Juni verübte antisemitische Angriff auf Rabbiner Mendel Gurewitz aus Offenbach ist vom Tathergang aufgeklärt. Wirklich ausgestanden scheint der gravierende Vorfall aber noch lange nicht zu sein.
Rabbiner Gurewitz war in einem Offenbacher Einkaufszentrum von mehreren Jugendlichen nordafrikanischer Herkunft beschimpft und geschubst worden. Zu Hilfe kam ihm niemand. Im Gegenteil: Zwei Sicherheitsleute des Zentrums zwangen den Rabbiner, die Fotos der Angreifer, die er mit seinem Handy gemacht hatte, zu löschen. Ein telefonisch eingeschalteter Polizeibeamter bestätigte diese Anweisung. Erst mithilfe eines zufällig vorbeifahrenden Bekannten konnte Gurewitz den Ort des Geschehens verlassen.
Wenige Tage später stellte sich einer der Jugendlichen, gestand die Beteiligung an dem Übergriff, schilderte ihn und bekundete Bedauern über sein Verhalten. Seinerseits nahm Rabbiner Gurewitz die Entschuldigung an und erklärte, ihm sei nicht an einer Bestrafung der Jugendlichen, sondern an deren Einsicht in ihre Tat gelegen.
Indessen verstummten die Forderungen nach aus dem Vorfall zu ziehenden Konsequenzen keineswegs. Mark Dainow, stellvertretender Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Offenbach und Mitglied des Präsidiums des Zentralrats der Juden in Deutschland, verlangte eine gründliche Untersuchung des Vorfalls. Zwar sei ein Treffen mit den Jugendlichen zu einer Diskussion möglich, „aber wir werden nicht nur die Hand schütteln und danach auseinandergehen“, erklärte Dainow. Die Offenbacher Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit verlangte nach dem Vorfall verstärkte politische Aufklärungsarbeit zu den Themen Antisemitismus und Israel. zu