13. Jahrgang Nr. 6 / 28. Juni 2013 | 20. Tammus 5773

Große Feier

In Hannover wurde die neue bucharisch-jüdische Synagoge eingeweiht

Von Heinz-Peter Katlewski

In Hannover wurde am 6. Juni 2013 die mit einem Gemeindezentrum verbundene Synagoge der bucharisch-jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eingeweiht. Zu den Gästen des Ereignisses gehörten unter anderem der niedersächsische Landesrabbiner Jonah Sievers, der bucharische Rabbiner Shmuel Alishaev aus Israel, der Rabbiner der bucharischen Gemeinde in Wien, Benjamin Aminov, sowie der sefardische Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Reuven Jaacobov. Der Vorsitzende des „Jüdisch-Bucharisch-Sefardischen Zentrums Deutschland in Hannover“, Mikhail Davydov, war sichtlich stolz darauf, dass es gelungen ist, die niedersächsische Landeshauptstadt in den vergangenen zwanzig Jahren zum sozialen, kulturellen und religiösen Zentrum der bucharischen Juden in Deutschland zu entwickeln. Den Text seiner Eröffnungsrede übergab er in einem symbolischen Akt zwei Vertretern der jüngeren Generation.
Anlässlich der Eröffnung legten mehrere Familien Geld zusammen, um ihrem neuen Heim einen neuen, eigens für die Gemeinde geschriebenen Sefer Tora zu kaufen. Die letzten Buchstaben wurden vor dem Festakt auf der Bima von Boruch Acherov, dem neuen Gemeinderabbiner und Sofer (Tora-Schreiber), eingetragen.
Etwas mehr als 800 bucharische Juden leben heute in Deutschland, ein Drittel davon in Hannover. Da die meisten von ihnen junge Leute sind, rechnet die Gemeinde mit weiterem Wachstum. Ihre in Lapislazuli-Blau gehaltene Synagoge mit der goldfarbenen Zwiebel-Kuppel repräsentiert die vor 220 Jahren übernommene sefardische Tradition. Das angegliederte, geräumige Gemeindezentrum steht für die vielfältigen sozialen und kulturellen Aktivitäten der stark familienorientierten Gemeinschaft zur Verfügung. Künftig sollen dort auch eine Krabbelgruppe und ein Kinderzentrum entstehen.
Der niedersächsische Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) erinnerte an die rund 2.600 Jahre alte Geschichte der bucharischen Juden: Sie hatten sich nach Ende der Babylonischen Gefangenschaft nicht zurück auf den Weg an den Jordan gemacht, sondern sind in die entgegengesetzte Richtung gewandert. Sie siedelten schließlich in der Nachbarschaft der heute usbekischen Stadt Buchara und praktizierten dort ihre Religion. Die Zuwanderung bucharischer Juden nach Deutschland nach Ende der Sowjetherrschaft, betonte Busemann, sei ein großer Gewinn für Niedersachsen und dessen Landeshauptstadt.
Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) überbrachte die Grüße des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD). Sie drückte ihre Freude darüber aus, dass nunmehr die nach der traditionellen Synagoge Heckelstraße und der liberalen Synagoge in Hannover-Leinhausen dritte Synagoge in Hannover eröffnet worden sei. Sie hoffe, dass sich die bucharische Gemeinde in Deutschland hier dauerhaft zu Hause fühle.
Der Vorsitzende des Landesverbandes jüdischer Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst, überbrachte die Grüße des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer. Fürst zeigte sich von dem neuen Zentrum beeindruckt: „Es ist toll geworden.“ Der jungen Gemeinde mit ihren alten Wurzeln wünschte er weiterhin „viele Kinder und immer einen schönen Gottesdienst“. Segenswünsche überbrachten sowohl die örtliche evangelische Regionalbischöfin Dr. Ingrid Spiekermann als auch der Generalvikar des katholischen Bistums Hildesheim, Dr. Werner Scherer.
In seinem Schlusswort ging Michael Krebs, der langjährige Sprecher der Gemeinde – und selbst Aschkenase –, auf die Gestaltung der neuen Synagoge ein. Der blaue Ton sei vor allem typisch für den auch in den Herkunftsländern der Bucharen in Zentralasien verbreiteten Stil maghrebinischer Synagogen. Als Höhepunkt des Festaktes zogen die anwesenden Männer der Gemeinde mit vier Tora-Rollen bei schönstem Wetter in den Garten, tanzten und ließen die silberfarbenen Behälter, in denen die Rollen nach jüdisch-orientalischem Brauch aufbewahrt werden, in der Sonne glitzern.