5. Jahrgang Nr. 6 / 27. Mai 2005 - 18. Ijar 5765

Ein vorsichtiger Annäherungsversuch

Europäische Masorti-Rabbiner und Zentralrats-Vertreter trafen sich zum ersten intensiven Gedankenaustausch

Die Rabbinerin der Jüdischen Gemeinde Weiden und Vorsitzende von Masorti-Berlin, Gesa S. Ederberg, hatte im Mai eine Rabbinerkonferenz organisiert, an der etwa 20 jüdische Geistliche der Masorti-Bewegung aus mehreren europäischen Ländern teilnahmen. Im Mittelpunkt der Tagung der aus Amerika stammenden religiösen Strömung, die sich selbst in der Mitte zwischen Orthodoxie und reform-liberalem Judentum ansiedelt, stand ein gemeinsames Bildungsprogramm, und das europäische Judentum. Im Rahmen ihres Treffens kamen die Rabbiner auch mit dem Präsidiums-Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, Nathan Kalmanowicz, und Generalsekretär, Stephan, J. Kramer, zusammen, um sich über jüdisches Leben heute in der Bundesrepublik , über die Strukturen der Einheitsgemeinden sowie die finanziellen Förderungsmaßnahmen durch den Bund und die Länder zu informieren.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen Fragen nach der religiösen Ausrichtung in den verschiedenen Gemeinden. In diesem Zusammenhang signalisierten die Zentralrats-Vertreter ihr Interesse, künftig enger auch mit Masorti-Rabbinern zusammenzuarbeiten, um vor allem den jüdischen Zuwanderern aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ein weiteres Angebot machen zu können, sich mit ihrem Judentum und religiösen Fragen auseinanderzusetzen. „Wir haben lediglich 30 amtierende Rabbiner für unsere 87 Gemeinden und das ist eindeutig zu wenig“, erläuterte Generalsekretär Kramer die prekäre personelle Situation. Deshalb sei es wichtig, die Tür auch in Richtung Masorti zu öffnen.

Rabbinerin Ederberg nahm das Angebot gerne an und versprach, innerhalb der nächsten Monate Programme und Konzepte zu entwickeln, die bei der Integration der jüdischen Zuwanderer und bei Übertrittsfragen von Familienangehörigen helfen sollen. „Wir sind generell bereit zu einer intensiveren Zusammenarbeit“, sagte die Rabbinerin, die ein besonderes Interesse daran hat, zur Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland einen Beitrag zu leisten, am Ende beeindruckt und begeistert von dem Angebot.

zu