13. Jahrgang Nr. 4 / 26. April 2013 | 16. Ijar 5773

Trendumkehr

Die jüdische Bevölkerung im New Yorker Ballungsraum wächst – vor allem dank der Ultraorthodoxen

Viele Diaspora-Gemeinden kämpfen gegen den Bevölkerungsschwund, in New York mit Erfolg. In den Jahren 2002 bis 2011 ist die jüdische Bevölkerung des New Yorker Ballungsraums – dazu gehören neben der Stadt New York auch die drei benachbarten Regierungsbezirke Nassau, Suffolk und Westchester – um zehn Prozent auf 1.540.000 Personen gestiegen. Das geht aus einer Erhebung des New Yorker Verbandes jüdischer Gemeinden hervor. In der Stadt New York konnte der Rückgang der jüdischen Bevölkerung umgekehrt werden. War die Zahl der Juden im „Big Apple“ Anfang des vergangenen Jahrzehnts unter die Millionengrenze gesunken, so lag sie 2011 bei knapp 1,1 Millionen. Damit ist jeder achte Einwohner New Yorks Jude. Weitere 450.000 Juden lebten 2011 in den drei benachbarten Regierungsbezirken.
In diesem Jahr veröffentlichte der Gemeindeverband detaillierte Angaben zur geografischen Verteilung der jüdischen Bevölkerung in Groß-New-York. Die Zahlen belegen, wie sehr die New Yorker Trendumkehr dem Bevölkerungswachstum bei ultraorthodoxen Juden zu verdanken ist. So etwa ist die jüdische Bevölkerung von Borough Park, dem südwestlichen Teil des New Yorker Stadtteils Brooklyn, in den Jahren 2002 bis 2011 um 71 Prozent in die Höhe geschnellt. In Borough Park ist eine Reihe ultraorthodoxer Gruppierungen zu Hause, unter ihnen die Bobower Chassidim. In Williamsburg, einem anderen Teil von Brooklyn, nahm die Zahl der Juden in derselben Zeitspanne um 41 Prozent zu. Dort sind vor allem die Satmarer Chassidim zu Hause. Sie stellen rund drei Viertel der jüdischen Bevölkerung von Williamsburg. In Washington Heights, im Norden Manhattans, nahm die jüdische Bevölkerung sogar auf das Zweieinhalbfache des Standes von 2002 zu.
Neben ultraorthodoxen Familien leisten auch modernorthodoxe Juden einen Beitrag zum jüdischen Bevölkerungswachstum. Insgesamt lebt ein Drittel aller Juden von Groß-New-York in ultraorthodoxen und orthodoxen Haushalten. Es ist vor allem ihnen zu verdanken, dass die Zahl der jüdischen Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis zum Alter von 25 Jahren in der Erhebungsperiode mit 15 Prozent überdurchschnittlich schnell zunahm. Der Anteil dieser Altersgruppe lag 2011 bei 32 Prozent.
Während die ultraorthodoxen Juden hauptsächlich in klar umrissenen Teilen von Brooklyn leben, sind Vertreter anderer Strömungen über alle Teile des Ballungsraums verstreut. Mit 220.000 Personen bilden russischsprachige Juden ein Siebtel der jüdischen Bevölkerung von Groß-New-York. In der Region von Great Neck, eines östlichen Vororts von New York, leben zahlreiche persische Juden. In 38 Prozent der jüdischen Haushalte in dieser Gegend lebt daher mindestens ein sefardisches Familienmitglied. Insgesamt verteilen sich die 1.540.000 Juden auf 694.000 Haushalte, in denen darüber hinaus auch 23.000 nichtjüdische Familienangehörige zu Hause sind.
Das Wachstum der jüdischen Bevölkerung ist erfreulich. Allerdings erschwert die große Diversität der jüdischen Bevölkerung, wie der New Yorker Gemeindeverband bemerkt, die Schaffung eines gemeinsamen jüdischen Zugehörigkeitsgefühls. Nicht zuletzt sondern sich ultraorthodoxe Juden weitgehend vom Rest der jüdischen Gemeinschaft ab, oft aber auch von anderen ultraorthodoxen Gruppen. Außerdem gibt es eine beträchtliche Zahl von Juden, die keiner Synagoge angehören und oft nur wenig Interesse an organisiertem jüdischem Leben zeigen.
JTA/zu