13. Jahrgang Nr. 4 / 26. April 2013 | 16. Ijar 5773

Widerstand

Aus Anlass des 70. Jahrestages des Warschauer Ghettoaufstandes 1943 und in Erinnerung an den großen Chronisten des jüdischen Widerstandes in Europa, Arno Lustiger (1924–2012), führte das Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam Anfang April 2013 eine internationale Tagung zum Thema „The Jewish Resistance to Nazi Policy of Extermination in Europe 1933–1945“ in Berlin durch. Erklärtes Ziel war es laut Professor Julius H. Schoeps, Direktor des Mendelssohn Zentrums, dem Zerrbild von der jüdischen Passivität unter nationalsozialistischer Besatzung entgegenzuwirken. An der Konferenz beteiligten sich Wissenschaftler aus Deutschland, Polen, Ungarn, Kroatien, Kanada, den USA, den Niederlanden, Italien, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz. Sie gingen dabei auf unterschiedlichste Formen des jüdischen Widerstandes ein, unter anderem auf Lager- und Ghettoaufstände, Partisanen-Kampf, Kriegsteilnahme in Armeen der Alliierten, Fluchthilfe, kulturellen Widerstand und Verweigerungshaltungen.
Die irrige Vorstellung, Juden hätten sich während der Schoa widerstandslos „wie Lämmer zur Schlachtbank“ – wie es oft heißt – führen lassen, hat sich trotz gegenteiliger Forschungsergebnisse und akribischer Dokumentation jüdischer Widerstandstätigkeit in vielen Teilen Europas bis heute hartnäckig gehalten. Ihr entgegenzuwirken und dieses historische Bild zurechtzurücken, bleibt daher ein wichtiges Anliegen nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der jüdischen Welt als Ganzes.
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