13. Jahrgang Nr. 4 / 26. April 2013 | 16. Ijar 5773

Wahrheit

Die Zentralstelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg will nach Angaben ihres Leiters, Kurt Schrimm, gegen rund 50 ehemalige Wächter von Auschwitz wegen Beihilfe zum Mord ermitteln. Durch Ermittlungen gegen Wächter aus anderen Vernichtungslagern könnte die Zahl der Fälle auf 80 bis 90 steigen.
Die Aufnahme der Ermittlungen ist ein Ergebnis des vom Landgericht München 2011 gegen den KZ-Wächter Iwan (John) Demjanjuk gefällten Urteils. Demjanjuk wurde der Beihilfe zum Mord im Vernichtungslager Sobibor schuldig gesprochen, obwohl ihm keine individuelle Straftat nachgewiesen werden konnte. Nun will die Ludwigsburger Zentrale prüfen, ob auch andere Lagerwächter nach diesem Grundsatz vor Gericht gestellt werden können.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, begrüßte die Einleitung der Ermittlungen. Gerechtigkeit, so Dr. Graumann, kenne keine Verfallszeit. Zwar sei möglich, dass die Täter – heute um die 90 Jahre alt – im Falle eines Schuldspruchs altersbedingt keine Haftstrafe mehr verbüßen müssten, ein Gerichtsverfahren und die damit einhergehende Wahrheitsfindung seien den ehemaligen Wächtern jedoch durchaus zuzumuten. Auch wenn die Ermittlungen viel früher hätten eingeleitet werden müssen, gelte in diesem Fall: „Besser spät als nie!“
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