5. Jahrgang Nr. 6 / 27. Mai 2005 - 18. Ijar 5765

„Ich bin lediglich Organisatorin“

Beispiel für gelungene Integration: Larissa Lyssenko hat es geschafft, weil sie aktiv in der Bremer Gemeinde mitarbeitet

Von Irina Leytus

„Muss das denn wirklich sein?“ Larissa Lyssenko zögert, wenn sie hört, dass die „Zukunft“ sie porträtieren will. „Ich bin kein Mensch der Bühne, ich bin lediglich Organisatorin“. Auch wenn sie Literatur- oder Musikabende in der Bremer jüdischen Gemeinde veranstaltet, tritt sie kaum in Erscheinung – dazu ist sie einfach zu bescheiden. „Mein Deutsch ist sehr schwach“, fügt die 65-jährige leise hinzu. Aber immerhin reichen ihre Deutschkenntnisse, um mit den Gemeindegremien die Kulturprogramme zu planen und zu besprechen. „Die Unterstützung, die wir von der Vorsitzenden Elvira Noa bekommen, ist enorm“, betont Larissa. Dabei besteht nicht die Gefahr, dass die emsige Organisatorin einen „russischen Kulturklub“ etabliert, da ihre Veranstaltungen in Bezug auf das Programm total „ausgewogen“ sind: Etwa 50 Prozent der Gäste kommen aus Russland, sind fast alle jüdisch und etwa 50 Prozent kommen aus Israel oder spielen jüdische Musik. Neulich trat der Chor der „Moskau Choralen Synagoge“ auf, am 10. Juli gibt es „Das jiddische Kunstlied“ mit der Pianistin Michal Friedländer und der Sängerin Ruth Rosenfeld.

Der Herausgeber der israelischen russischsprachigen Zeitschrift „Beseder?“, Mark Galesnik, war schon zwei Mal bei Frau Lusenko zu Gast. „Larissa ist eine wunderbare Gastgeberin“, gestand er unumwunden anschließend im „Gästebuch“, nachdem er in ihrer kleinen Wohnung übernachtet hatte. Das Gästebuch liest sich wie ein „Who is who“ der russischen und russisch-israelischen Kultur: der russische Schauspieler Benjamin Smechov, Schriftsteller Fasil Iskander, Liederschreiber Tatjana und Sergej Nikitin sowie die israelischen Autoren Igor Guberman und Dina Rubina – alle Einträge sind voll des Lobes!

Die Veranstaltungen müssen sich selbst finanziell tragen – umso wichtiger ist viel Werbung, zur Not auch per Mundpropaganda. Wenn ein Abend mit jüdischer Musik auf dem Programm steht, schaltet die Gemeinde eine Anzeige im „Bremer Kurier“, damit auch Nicht-Gemeindemitglieder kommen. Die Hauptzielgruppe sind aber – das weiß Larissa genau – die russischsprachigen Gemeindemitglieder. Larissa ist immer dann besonders zufrieden, wenn ihr Publikum sich für die „Unterhaltung mit interessanten Menschen“ mit viel Applaus bedankt.

Im Jahre 1940 geboren, hat Lusenko nach dem Chemiestudium in St. Petersburg 30 Jahre in einem Betrieb gearbeitet. Sie selbst wäre lieber nach Israel emigriert, aber ihre Tochter wollte unbedingt nach Deutschland. So kamen sie Ende 1991 nach Hannover, zwei Jahre später ging es weiter nach Bremen. In der „ruhigen, intelligenten“ Hafenstadt gefällt es Larissa gut, „obwohl sie im Vergleich zu ,Piter’ doch recht klein ist“. So liebevoll nennen die Bewohner von Sankt Peterburg ihre besondere Stadt. In Israel war sie inzwischen bereits sieben Mal: „Ich bin verliebt in dieses Land und versuche immer wieder, mit Freunden hinzufahren, damit auch sie es lieben lernen.“ So erscheint es gerade zu logisch, dass Sochnut sie zur Koordinatorin in Bremen ernannt hat.