5. Jahrgang Nr. 1 / 28. Januar 2005 - 18. Schwat 5765

…und noch ein Spitzenamt

Vize-Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, ist neue Vize-Präsidentin des Jüdischen Weltkongresses

Auf der Vollversammlung des Jüdischen Weltkongresses (World Jewish Congress), der diesen Monat in Brüssel tagte, wurde die Vize-Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zur Vize-Präsidentin des internationalen Gremiums mit Hauptsitz in New York gewählt. Fr. Knobloch ist ebenfalls Vize-Präsidentin des Europäisch Jüdischen Kongresses und langjährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

„Schwerpunkt meiner Arbeit im Weltkongress wird die weitere Vernetzung der deutschsprachigen Jüdischen Gemeinden in Europa und der Brückschlag zur jüdischen Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten sein. Auch der Kampf gegen den wachsenden Antisemitismus vor allem in Osteuropa, hat eine hohe Priorität“, so die neu gewählte WJC-Vize-Präsidentin Knobloch.

Gleichzeitig bestätigten die 500 Teilnehmer aus 80 Ländern den langjährigen Präsidenten, Edgar M. Bronfman, sowie Vize-Präsident Israel Singer, für weitere fünf Jahre in ihren Ämtern. Neuer Generalsekretär des WJC wurde Stephen E. Herbits.

Charlotte Knobloch wurde 1932 als Tochter des damals bekannten Rechtsanwalts Fritz Neuland in München geboren. Sie wurde während des Krieges von einer katholischen Bauernfamilie in Franken versteckt und überlebte so den Holocaust. Auch der Vater überstand die Nazi-Zeit als Zwangsarbeiter und kehrte anschließend nach München zurück. Dort wurde er nach dem Krieg Präsident der wieder entstandenen kleinen jüdischen Gemeinde. Charlotte Knobloch wollte nach ihrer Heirat mit Samuel Knobloch, der ursprünglich aus Krakau stammte, eigentlich nach Amerika auswandern. Nach der Geburt ihrer Kinder und den ersten beruflichen Erfolgen ihres Mannes, wurde die Familie schließlich in München sesshaft. Auch Charlotte engagierte sich schon bald aktiv in der Israelitischen Kultusgemeinde München und wurde 1981 erstmals in den Vorstand gewählt. 1984 übernahm sie den Vorsitz, den sie seither innehat.

Seit seiner Gründung 1936 in Genf vertritt der Jüdische Weltverband die Interessen jüdischer Spitzenverbände und Organisationen öffentlich und mit Nachdruck. Immer wieder hat er vor wachsendem Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus weltweit gewarnt. Der Kampf müsse überall intensiviert werden, verlangte Vize Israel Singer. Der Jüdische Dachverband will künftig den interreligiösen Dialog fördern und sich für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Juden und Muslimen einsetzen.