5. Jahrgang Nr. 6 / 27. Mai 2005 - 18. Ijar 5765

Katzav setzt auf bessere Zukunft

Während seines dreitätigen Staatsbesuches in Deutschland absolviert der israelische Präsident ein Mammutprogramm

Berlin und München im Schnelldurchlauf: Staatspräsident Moshe Katzav feierte mit Jugendlichen, sprach im Reichstag und besuchte den "Ort der Information" am Holocaust-Mahnmal. Fotos: dpa
Schoa, Antisemitismus, Rechtsradikalismus und Islamismus – das sind die Stichpunkte, die Katzavs Reden während seines Deutschland-Besuchs anlässlich der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland vor 40 Jahren bestimmen sollten. Der israelische Staatspräsident Moshe Katzav war Ende Mai zu einem knapp dreitägigen Besuch nach Deutschland gekommen, bereits im Februar war Bundespräsident Horst Köhler aus diesem Anlass zu einem Staatsbesuch nach Israel gereist. Die palette der offiziellen Termine war weit gefächert: präsident Katzav führte Gespräche mit Ministern, dem Staatspräsidenten sowie Spitzenpolitkern aller parteien, er hatte Jugendliche zu einem Sommerfest ins Berliner Schloss Charlottenburg geladen, hielt eine Rede vor dem Deutschen Bundestag, kam mit Vertretern der jüdischen Gemeinden in Deutschland (siehe Seite 2) zusammen und machte einen Abstecher nach München.

Mosche Katzav, der nach Eser Weizman als zweiter israelischer präsident vor dem deutschen parlament gesprochen hat, will als gemeinsame Lehre aus dem Holocaust zusammen mit Deutschland gegen Antisemitismus und für Menschlichkeit kämpfen. «Verwandeln wir das Trauma der Vergangenheit in eine Hoffnung für die Zukunft», sagte Katzav im Bundestag. Er beklagte eine Welle des Antisemitismus, «wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt haben», und rief Deutschland zu verschärfter Abwehr auf. Zugleich warnte er unter dem Eindruck islamistischen Terrors vor Feindlichkeit gegen Muslime. Dem Nahost-Friedensprozess räumte Katzav eine historische Chance ein, ließ aber an Israels entschiedener Verteidigung seiner Sicherheit keine Zweifel.

Bundespräsident Horst Köhler bezeichnete Katzavs Rede als bewegend und beeindruckend: «Wir wissen um unsere Verantwortung in Deutschland und, dass sich beide Länder aufeinander verlassen können.» Deutlich heiterer und ausgelassen war die Stimmung beim Gartenfest im Amtssitz von Bundespräsident Horst Köhler, zu dem beide Staatsoberhäupter jeweils 300 Jugendliche ihrer Heimatländer eingeladen hatten. Diese Begegnungen von jungen Menschen waren ein Beweis dafür, wie wichtig und stabil gerade die Jugendaustauschprogramme der beiden Länder, die seit 40 Jahre intensiv betrieben werden, sind.

Köhler und Katzav kündigten an, mit einem gemeinsamen Zukunftsfonds die Beziehungen beider Staaten auszubauen. Mit einem zusätzlichen „bestimmten Geldbetrag" solle der Jugend-, Wissenschaft- und Kulturaustausch intensiviert werden, sagte Köhler. Katzav und Köhler betonten, dass die partnerschaft beider Länder auch künftig eine "besondere Beziehung" sei und auf der Vergangenheit aufbaue. Besonders Schulen seien gefragt, die Erinnerung an den Holocaust sowie die Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten wach zu halten. "Das Trauma der Vergangenheit soll Grundlage für den Aufbau einer besseren Zukunft sein", sagte Katzav.

zu/dpa/JA

Zukunft 5. Jahrgang Nr. 6
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