13. Jahrgang Nr. 3 / 22. März 2013 | 11. Nissan 5773

Gute Beziehungen

Zuversichtliche jüdische Reaktionen auf die Papstwahl

Nach der Wahl des argentinischen Kardinals Jorge Mario Bergoglio zum Nachfolger des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI. haben jüdische Vertreter ihre Zuversicht und Hoffnung auf eine weiterhin positive Entwicklung des jüdischen-katholischen Verhältnisses zum Ausdruck gebracht. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, erklärte: „Auf den neuen Papst warten große Aufgaben innerhalb der katholischen Kirche. Dafür wünschen wir ihm eine glückliche Hand und Gottes Segen. Zugleich hoffen wir, dass Papst Franziskus den Kurs der Annäherung, der Freundschaft und des Vertrauens zwischen Christentum und Judentum fortsetzt und sogar noch weiter verstärkt.“ Der neue Papst, so Dr. Graumann, habe bisher schon gezeigt, dass er der jüdischen Gemeinschaft mit ganz besonderer Wärme und Herzlichkeit begegne.
Dr. Graumann fügte hinzu: „Wir gehen davon aus, dass er dem katholisch-jüdischen Verhältnis während seines Pontifikats eine große Bedeutung zukommen lassen wird. Unsere Hände sind weit ausgestreckt, um den intensiven und freundschaftlichen Dialog mit der katholischen Kirche weiterzuführen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich bei gutem Willen und gegenseitigem Respekt auch für schwierige Fragen gemeinsame Lösungen finden lassen. Mit Papst Franziskus verbinden wir daher besonders große Hoffnungen, die tief aus dem Herzen kommen.“
Rabbiner David Rosen, Direktor für Interreligiöse Angelegenheiten beim Amerikanisch-Jüdischen Komitee (AJC) erklärte: „Wir erwarten ein enges Verhältnis zu Papst Franziskus und wollen, gemeinsam mit unseren katholischen Partnern, die katholisch-jüdischen Beziehungen voranbringen.“ Der neue Papst, so Rabbiner Rosen, habe tiefempfundene Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft in Argentinien in guten wie in schlechten Zeiten bewiesen. Der Lateinamerikanische Jüdische Kongress, bekundete dessen Geschäftsführer Claudio Epelman, habe ein enges Verhältnis zu Kardinal Bergoglio unterhalten. „Wir kennen die Werte, für die er einsteht ebenso wie seine Stärken“, sagte Epelman.
Rabbiner Israel Singer, ehemaliger Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses, erinnerte an seine mit Kardinal Bergoglio gemeinsame Teilnahme an einem jüdisch-katholischen Hilfsprogramm für Bedürftige in Buenos Aires Anfang des vergangenen Jahrzehnts. „Wir sind zusammen in die Stadtviertel gegangen, in denen Juden und Katholiken an Armut litten“, erklärte Singer. „Während jedermann auf Stühlen mit Armlehnen saß, setzte er (Bergoglio) sich auf einen Stuhl ohne Armlehnen“, erinnerte sich Singer.
Der Kardinal machte auch durch andere Gesten im Verhältnis zu Juden auf sich aufmerksam. So etwa unterzeichnete er 2005 eine Petition, die eine Aufklärung des – dem iranischen Geheimdienst zur Last gelegten – Bombenanschlags auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires im Jahr 1994 verlangte. Auch schrieb er das Vorwort zu einem Buch von Rabbiner Sergio Bergman aus Buenos Aires. Den Rabbiner bezeichnete Kardinal Bergoglio als „einen meiner Lehrer“.
Im Jahr 2007 besuchte der katholische Würdenträger den Rosch-Haschana-Gottesdienst in der Bnei Tikva Slijot-Synagoge in Buenos Aires. Bei diesem Besuch bezeichnete er sich als einen „Pilger, zusammen mit Euch, meinen älteren Brüdern“. Im November 2012 schließlich organisierte er in der Catedral Metropolitana der argentinischen Hauptstadt eine Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der „Reichskristallnacht“.
zu/JTA