13. Jahrgang Nr. 2 / 28. Februar 2013 | 18. Adar 5773

Anerkennung

Barbara Traub wurde ins Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt

Von Brigitte Jähnigen

Barbara Traub M.A., Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW), ist von den Mitgliedern des Direktoriums des Zentralrats der Juden ins Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt worden. Erstmals ist damit ein Vorstandsmitglied der IRGW in das neunköpfige Exekutivgremium des Zentralrats gewählt worden. In ihrer Wahl sieht Barbara Traub eine Anerkennung ihrer langjährigen Arbeit in ihrer Gemeinde. Nun wird die 55-jährige Wahl-Stuttgarterin als Präsidiumsmitglied öfter als bisher in Berlin und in Frankfurt zu erleben sein. Als Präsidiumsmitglied stellt sie sich – Sonnenbrille im dunkelblonden Wuschelhaar, ruhige Ausstrahlung, unverkennbarer Wiener Dialekt – auch einer großen Verantwortung. Wenngleich erst besprochen werden muss, in welcher Kommission Barbara Traub mitarbeiten wird – sie fühlt sich vom Vertrauen ihrer Präsidiumskollegen getragen. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen im Sozialbereich und in der Kultur.
Ein Blick zurück: Vor 20 Jahren, noch vor ihrem Wegzug aus Wien und einem Zwischenstopp in Israel, meldete sich Barbara Traub in Stuttgart als Mitglied in der IRGW an, wollte schon bald das jüdische Leben in der Gemeinde und damit in der baden-württembergischen Landeshauptstadt mitgestalten. Als dann die ersten Zuwanderer aus den GUS-Staaten nach Stuttgart kamen, bot die studierte Philosophin und Diplom-Sozialpädagogin Deutschkurse an. „Eigentlich hab ich damals schon begonnen, was später Integrationskurs genannt wurde“, sagt sie. Sie führte ihre Sprachschüler in die Synagoge, nahm mit ihnen an einer Brit-Mila-Feier teil, gemeinsam feierten sie Kabbalat Schabbat.
Traubs Ziel war, das Erlernen der deutschen Sprache mit dem jüdischen Leben zu verbinden. „Die Gemeinde war auf das Zusammenleben von alten und neuen Mitgliedern nicht ausreichend vorbereitet, es fehlte an Strukturen und oft auch am gegenseitigen Verständnis“, beschreibt Barbara Traub einen Zustand, der damals nahezu allen jüdischen Gemeinden das Leben schwer machte. Jüdische Tradition mit modernem deutschen Alltagsleben zu verbinden – nur so konnte die Integration der Zuwanderer gelingen.
Vor 15 Jahren wurde die Mutter von inzwischen drei Söhnen zur Kandidatur in die Repräsentanz der IRGW eingeladen. Sie kandidierte – als einzige Frau – und wurde gewählt. Ihre Arbeit in der Schulkommission, der Kindergarten- und später der Kulturkommission war erfolgreich; 2002 übernahm sie weitere Verantwortung. Sie wurde zur Sprecherin des Vorstands gewählt und wurde so auch in der Gemeinde bekannter als vorher. Sie gründete die „Jüdischen Kulturwochen“, im Jahr 2007 auch das „Forum jüdische Bildung und Kultur“. Und mögen sich die politischen Zeiten in der IRGW auch phasenweise gewendet haben – seit 1995 ist Barbara Traub in der Repräsentanz vertreten und wurde im vergangen November in ihrer Funktion als Vorstandssprecherin bestätigt.
Welche Gründe mögen es gewesen sein, dass sie nun ins Präsidium des Zentralrats gewählt wurde – und dort eine von zwei Frauen ist?
„Ich habe versucht, Entscheidungen überlegt und reflektiert zu treffen, mir so Vertrauen erworben, das spielt auch im Zentralrat eine Rolle“, sagt Barbara Traub. Dr. Dieter Graumann als Präsident des Zentralrats, sagt die Wahl-Stuttgarterin, wünsche mehr denn je ein aktives Judentum für Deutschland. „Ich bin berufstätig, integriert in die deutsche Gesellschaft, bin Mutter, Ehefrau, seit 20 Jahren aktiv in unserer Gemeinde“, sagt Traub. So verkörpere sie in allem das moderne Judentum, das zugleich mit der Tradition verknüpft sei.
Barbara Traub arbeitet als Psychotherapeutin und Psychoonkologin. „Das ist ein Beruf, der einen persönlich stark prägt“, sagt sie. Konflikte zu erkennen, zu benennen, auszuhalten oder zu lösen – auch diese Erfahrungen kann eine Frau wie sie ganz gewiss gewinnbringend in ihre neue Funktion einbringen.