13. Jahrgang Nr. 1 / 31. Januar 2013 | 20. Schwat 5773

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

GLATT KOSCHER

(außerhalb des deutschen Sprachraums auch „glat“ geschrieben; Jiddisch): glatt, unverklebt
Der Begriff „glatt“ bezieht sich auf Fleisch und Fleischprodukte. Koscheres Fleisch muss von einem koscheren Tier stammen, das auch koscher geschlachtet wurde. „Glatt koscheres“ Fleisch muss darüber hinaus von einem Tier stammen, dessen Lungen, die nach dem Schächten gründlich geprüft werden, keinerlei Makel aufweisen, nicht verklebt, also „glatt“ sind.
Im jüdischen Gesetz bezieht sich also der Begriff „glatt“ auf die Lungen der Tiere, weil man am Bild der Lungen jegliche Krankheiten und Unvollkommenheiten erkennen kann. Werden Mängel in den Lungen festgestellt, wird das Fleisch als Treifa eingestuft (eingerissen, verletzt, krank, zum Verspeisen nicht erlaubt). Ist die Lunge fehlerfrei, also „glatt“, wird das Fleisch als „glatt koscher“ definiert.
Von „glatt koscher“ ist „streng koscher“ zu unterscheiden (hebräisch: kascher le-mehadrin). Als streng koscher werden Lebensmittel – nicht nur Fleisch – zertifiziert, deren Herstellung und Handhabung ständiger und dadurch besonders strenger Kontrolle unterliegen. Im nichthebräischen Sprachgebrauch werden zwar auch streng koschere Produkte oft als glatt koscher bezeichnet. Allerdings handelt es sich um zwei unterschiedliche Aspekte der Kaschrut, was gesetzestreuen Verbrauchern klar ist.