13. Jahrgang Nr. 1 / 31. Januar 2013 | 20. Schwat 5773

Erfolg

Die Münchner Synagoge an der Reichenbachstraße wird restauriert

Die Synagoge an der Reichenbachstraße in der Münchner Innenstadt macht sich unsichtbar. Nichts weist Passanten darauf hin, dass hier ein Gotteshaus steht. Wer es betreten will, muss zunächst den Eingangsbereich eines unauffälligen Gebäudes durchqueren. Von dort geht es durch den Seiteneingang im Hinterhof in die Räume, die bis vor sechs Jahren das Zentrum jüdischen Lebens in der bayerischen Landeshauptstadt bildeten.
Die Synagoge wurde 1931 im Stil der Neuen Sachlichkeit, dem formenstrengen Bauhaus-Stil, errichtet. Im Inneren kamen daher großzügige Lichtführung und lebhafte Farbgebung umso stärker zur Geltung. Nur sieben Jahre nach der Einweihung verwüstete der Nazi-Mob das Gebäude. Anders als die meisten übrigen jüdischen Gotteshäuser in Deutschland wurde der Bau aber nicht vollständig zerstört. Nach dem Krieg fand sich die kleine jüdische Gemeinde wieder hier ein. Fünf Jahrzehnte später, nach der Einweihung der neuen Münchner Synagoge Ohel Jakob im Jahr 2006, wurden die Gottesdienste in der Synagoge an der Reichenbachstraße aber eingestellt.
Jetzt bekommt das Gotteshaus nun doch eine neue Zukunft. Auf Initiative der Buchhändlerin Rachel Salamander soll es in seinen ursprünglichen Zustand wieder versetzt werden. Salamander, die selbst unzählige Male in der Reichenbachstraße auf der Frauenempore gesessen hatte, gründete im November 2011 einen Verein, der sich den Erhalt des ungewöhnlichen Baudenkmals zum Ziel gesetzt hat. Im Januar 2013 wurde die Initiative von Erfolg gekrönt: Bayerns Staatsminister Wolfgang Heubisch, zuständig für Denkmalpflege, und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude sagten zu, sich an den geschätzten Kosten von etwa sechs Millionen Euro wesentlich zu beteiligen. Dabei soll der Bau auch künftig als Synagoge nutzbar sein. Die inzwischen auf knapp zehntausend Mitglieder gewachsene Gemeinde kann ein weiteres Gotteshaus gut brauchen. Gleichzeitig soll das Haus sich aber der Stadt öffnen und als Begegnungsstätte dienen, in der, so Rachel Salamanders Idee, auch interkonfessionelle Gottesdienste stattfinden könnten.
Rozsika Farkas