13. Jahrgang Nr. 1 / 31. Januar 2013 | 20. Schwat 5773

Zivilcourage gewürdigt

In Düsseldorf verlieh der Zentralrat der Juden in Deutschland den Paul-Spiegel-Preis

Zukunft 13. Jahrgang Nr. 1
Zukunft 13. Jahrgang Nr. 1
Von Zlatan Alihodzic

Am 16. Januar fand in Düsseldorf die stets vielbeachtete Verleihung des vom Zentralrat der Juden in Deutschland gestifteten Paul-Spiegel-Preises für Zivilcourage für die Jahre 2012 und 2013 statt. Die Preisträger waren die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus beziehungsweise die Initiative „Wir für Lübtheen". Die Preisverleihung fand im Rahmen einer von der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen ausgerichteten Gedenkveranstaltung für den 2006 verstorbenen Präsidenten des Zentralrats Paul Spiegel statt. Im Dezember 2012 wäre er 75 Jahre alt geworden. Paul Spiegel engagierte sich sein Leben lang für das Wachsen jüdischen Lebens in Deutschland sowie die Verständigung der Religionen. Für seine großen Verdienste wurde ihm 2002 der Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen.
Die Synagoge der Düsseldorfer Gemeinde war besucht wie an einem hohen Feiertag. Vertreter der Politik sowie Gäste aus jüdischen Gemeinden und Landesverbänden kamen. Viele von ihnen waren über Jahre zu Freunden Paul Spiegels geworden. An der Gedenkveranstaltung nahmen die Witwe Gisèle Spiegel sowie die beiden Töchter teil. In der ersten Reihe saß auch Wolfgang Clement, ehemaliger Ministerpräsident des Landes NRW. Auf dem Podium erinnerte die heutige Regierungschefin des Bundeslandes, Hannelore Kraft, an die Bedeutung von Paul Spiegels Wirken. „Wir in Nordrhein-Westfalen sind und wir bleiben dankbar für Paul Spiegel, diesen Demokraten und Mitstreiter für mehr Gerechtigkeit", erklärte die Ministerpräsidentin. Sein Andenken wolle man bewahren und dafür sorgen, „dass Deutschland wirklich eine Heimat für jüdisches Leben ist."
Das sei allerdings heute noch keine Selbstverständlichkeit, mahnte Zentralratspräsident Dr. Dieter Graumann. Er erinnerte an die Beschneidungsdebatte im vergangenen Jahr wie auch an die Ausfälle des Berliner Rappers Bushido, der jüngst im Internet Israel von der Landkarte gestrichen habe. „Reden ist Silber, aber Handeln ist Gold", sei deshalb die richtige Devise. Spiegel, erinnerte sich Dr. Graumann, habe Belange der jüdischen Gemeinschaft, wo nötig, kämpferisch vertreten. So etwa im Kampf gegen den neuen Antisemitismus, gegen Rassismus im Land. „Dann konnte der sonst so freundliche und fröhliche Paul Spiegel ganz ernst werden", sagte der Zentralratspräsident. „Und ich glaube, es würde Paul Spiegel gefallen, dass wir heute hier an ihn erinnern und diese Erinnerung gleich nutzen, um den nach ihm benannten Preis zu übergeben."
Die für ihre Arbeit im Jahr 2012 ausgezeichnete Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIGA) hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch politische Bildung die Migrantengesellschaft über jüdisches Leben in Deutschland, Geschichte und Kultur aufzuklären. Seit zehn Jahren kämpft die Initiative so gegen Antisemitismus. Dass diese „Botschafter der Toleranz" als Träger des Paul-Spiegel-Preises ausgewählt wurden, so Dr. Graumann, solle auch ein Signal sein, dass solche Arbeit durch mehr als nur befristete Projektförderung unterstützt werden müsse. Durch die KIGA würden Multiplikatoren ausgebildet, die in der Gesellschaft eine wichtige Rolle übernehmen könnten. Ihre Arbeit erreiche nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen von jungen Menschen.
Mit dem Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage 2013 wurde das Engagement der Bürgerinitiative „Wir für Lübtheen" ausgezeichnet. In der kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern konnte die NPD über Jahre hinweg mehr und mehr Einfluss erlangen, Menschen anlocken und Wählerstimmen gewinnen. Die Initiative, in der rund 50 Bürgerinnen und Bürger mitwirken, klärt über die Ziele der Partei auf, organisiert Demonstrationen und wird dafür von den Rechten angefeindet. „Wir für Lübtheen", lobte Dr. Graumann, lasse Worten auch Taten folgen. Das sollten sich auch Bundesregierung und Bundestag zum Beispiel nehmen, um das NPD-Verbot endlich voranzutreiben.