12. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2012 | 16. Kislew 5773

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

GHETTO (italienisch):

ein abgetrenntes Wohnviertel für Juden, die in einem bestimmten Stadtteil leben mussten. Während des vierten Laterankonzils im Jahre 1215 unter Papst Innozenz III. wurde die Ausgrenzung der Juden beschlossen.
Die Regeln beinhalteten auch Bestimmungen über eine besondere Kleidung für Juden, um sie dadurch auch für alle sichtbar zu machen. Die Herkunft des Begriffes „Ghetto" soll auf die Bezeichnung des venezianischen Judenviertels zurückgehen, das sich auf dem Gelände einer Gießerei (ital.: „Ghetto") befand. Ghettos waren aufgrund der Bevölkerungszunahme oft von einer bedrückenden, räumlichen Enge gezeichnet. Die Ghettobewohner waren erheblichen Diskriminierungen seitens der Kirche und Obrigkeit ausgesetzt.

GEHINOM (hebräisch-aramäisch):

Hinnom-Tal. Im Altertum diente dieses tiefe Tal bei Jerusalem als Mülldeponie. Es war auch heidnische Opferstätte in der vorisraelitischen Epoche. Aus dem Tal stiegen daher öfters Feuer und Rauch empor. Bezüglich der Zeit der biblischen Könige Achas und Menasse berichtet das Zweite Buch der Chronik (28:1 ff und 33:1 ff) von heidnischen Feueropfern dieser Könige, die im Hinnom-Tal sogar ihre Söhne den Götzen opferten.
Nach einer späteren jüdisch-mystischen Vorstellung soll die Seele der Toten im symbolischen Gehinom von ihren Sünden durch ein "reinigendes Feuer" befreit werden. Der Gehinom ist aber weder ein Ort der ewigen Verdammnis noch ein Fegefeuer, in dem Seelen ewig leiden müssen.