12. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2012 | 16. Kislew 5773

Recht auf Sicherheit

Solidaritätskundgebung für Israel

Unter dem Motto „Solidarität mit Israel. Befreit Gaza – von Hamas“ fand am 18. November in Berlin eine Solidaritätskundgebung für Israel statt. Bei der vom Mideast Freedom Forum Berlin veranstalteten Demonstration setzten sich die Teilnehmer für Israels Recht ein, in Sicherheit zu leben und sich gegen terroristischen Raketenbeschuss zu wehren. Bei der Veranstaltung hielt der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, eine Rede, die wir nachfolgend in Auszügen veröffentlichen.

Wir sind heute hier, in Berlin, zusammengekommen, um unsere Solidarität mit Israel zu bekunden. Wir sind hier, weil Israel unsere Solidarität braucht! Wir sind hier, weil Israel unsere Solidarität verdient! Wir sind hier, um die Wahrheit all den Verzerrungen entgegenzusetzen, die hierzulande so oft verbreitet werden.
Jeder, der sich berufen fühlt, Israel zu verdammen, sollte sich selbst eine einfache Frage beantworten: Was würde er selbst unter den Bedingungen tun, unter denen Israel leben muss? Wie würde hierzulande die Reaktion aussehen, wenn beispielsweise Baden-Württemberg seit Monaten und Wochen mit Raketen angegriffen würde?
Vor sieben Jahren hat Israel den Gaza-Streifen vollständig geräumt. Den Einwohnern bot sich die Möglichkeit, ihr Leben unter eigener Regierung positiv zu gestalten und eine bessere Zukunft aufzubauen. Das geschah aber nicht. Stattdessen setzten Terrororganisationen den Beschuss israelischer Ziele, und zwar ziviler Ziele, fort. Die Hamas, die nach eigenen Aussagen eine physische Vernichtung Israels anstrebt, übernahm vor fünf Jahren gewaltsam die Macht in Gaza und errichtete dort ein klerikal-faschistisches Regime. Ihr wichtigstes Ziel ist es, die israelische Zivilbevölkerung zu terrorisieren. Das ist, wohlgemerkt, ein Kriegsverbrechen, begangen im Dienst der Fantasie von einem Völkermord an Israels Juden.
Israels Regierung hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, ihre Bürger zu beschützen. Israelis, ja wir Juden überhaupt, lassen uns das Recht auf Selbstverteidigung von niemandem absprechen.
Die Hamas ist die Speerspitze einer langen Kette von Drahtziehern und Helfern. Das Regime im Iran finanziert sie und versorgt sie mit Waffen. Der Sudan dient als Versorgungsbasis und ließ sich auf die Herstellung von Raketen für die Hamas ein. Die zunehmend von islamistischen Terrororganisationen beherrschte ägyptische Sinai-Halbinsel ist freundliches Hinterland der Hamas und anderer palästinensischer Terroristen. Über die untertunnelte Grenze zwischen Ägypten und Gaza floriert ein gut geregelter Waffennachschub. Heute werden unter anderem iranische Fajr-Raketen aus Gaza nach Israel abgefeuert. Man kann es auch knapper ausdrücken: Unter der Hamas-Diktatur wurde Gaza zu einem vorgelagerten Stützpunkt der iranischen Streitkräfte und der iranischen Geheimdienste.
Und wenn es jemanden gibt, der kein Mitleid mit der palästinensischen Zivilbevölkerung hat, dann ist es nicht Israel. Es sind die Hamas und die anderen Terroristen, die kein Mitleid haben. Sie legen Waffenlager in Moscheen an. Bauen Raketenwerfer neben Kindergärten auf. Nutzen die Zivilbevölkerung als Schutzschild. Nehmen den Tod eigener Zivilisten – auch Frauen und Kindern – nicht nur in Kauf, sondern wollen ihn – gezielt, kaltblütig und brutal.
Aus der Sicht der Hamas und ihrer Freunde ist jeder tote Jude ein Sieg der selbsternannten Gotteskämpfer, weil der Mord an Juden in ihren Augen gottgefällig ist. Jeder bei israelischen Verteidigungsoperationen ums Leben gekommene palästinensische Zivilist, hinter dessen Haus Terroristen und ihre Kommandeure in Deckung gegangen sind, ist ebenfalls ein Sieg der Hamas. Nämlich ein Sieg im Propagandakrieg gegen Israel.
Bei der Konfrontation, deren Zeuge wir heute sind, kämpft kein palästinensischer David gegen einen israelischen Goliath. Hier kämpft eine radikal-islamistische Terrorbande, um möglichst viele Juden zu ermorden. Um den jüdischen Staat zu schwächen. Hier wird der Gottesglaube pervertiert und im Namen einer unmenschlichen Ideologie entweiht. Die Heiligkeit des menschlichen Lebens – der vielleicht wichtigste Wert der Menschheit – wird in einen mordlüsternen Todeskult verwandelt.
Diesem Todeskult müssen wir entgegentreten, bevor der Wahn der islamistischen Israel-Hasser weitere Gipfel erklimmt. Damit meine ich auch den iranischen Griff nach Atomwaffen. Gerade jetzt wurde bekannt, dass das Teheraner Regime seine Urananreicherungskapazitäten gewaltig ausgebaut hat: ein weiterer Schritt auf dem Weg in eine drohende Katastrophe. Deshalb ist es noch wichtiger, sich dem Vormarsch des islamistischen Fanatismus an allen Fronten und kompromisslos entgegenzustellen.
Churchill hat einmal gesagt, ein Appeaser ist derjenige, der das Krokodil in der Hoffnung füttert, als Letzter gefressen zu werden. Schluss mit dem Appeasement und dem Selbstbetrug! Schluss mit dem Kuschelkurs gegenüber der Hamas und dem Mullah-Regime im Iran!
Deutschland kommt bei den Sanktionen eine wichtige Rolle zu. Es ist richtig und wichtig, dass die Bundeskanzlerin Israels Sicherheit als Teil der deutschen Staatsräson bezeichnet, aber den Worten müssen auch Taten folgen. Die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran müssen in vollem Umfang und ohne Wenn und Aber umgesetzt werden. Pläne für ein EU-Büro in Teheran beispielsweise sollten nicht einmal gedacht, geschweige denn ausgesprochen werden.
Bei der Abwehr des antiisraelischen Fundamentalismus haben Israels Freunde eine wichtige Rolle zu erfüllen. In dem Kampf um Legitimität, um die Anerkennung des israelischen Rechts auf Selbstverteidigung, ja auf die Anerkennung des Rechts der Juden auf Souveränität. Solidarität mit Israel ist für uns nicht nur der Ausdruck unserer Freundschaft mit Israel, sondern eine Pflicht des Gewissens, ein Gebot der Moral, ein Ausdruck des Anstands. Deshalb bin ich dankbar, hier und jetzt mit Euch allen dieser Solidarität sichtbar Ausdruck zu verleihen. Am Israel Chai!