12. Jahrgang Nr. 9 / 28. September 2012 | 12. Tischri 5773

Grundpfeiler des Gemeindelebens

In Köln wurden vier Absolventen des Berliner Rabbinerseminars ordiniert

„Am Ende ist es doch die Religion, die uns immer über Wasser gehalten hat“, meinte Dr. Dieter Graumann am 13. September bei der Ordination von vier orthodoxen Rabbinern des Rabbinerseminars zu Berlin in der Kölner Synagoge. Der Präsident des Zentralrats der Juden betonte vor zahlreichen Ehrengästen, dass das Judentum eine emotionale, politische, moralische, intellektuelle und kulturelle Kraftquelle sei. Vor allem aber sei es seine spirituelle Kraft, die Juden in aller Welt geholfen habe, zu überleben. Damit die Gemeinden in Deutschland wachsen und gedeihen könnten, benötigten sie Rabbiner, die ihnen die Schätze und die Tiefe ihrer Religion zu erschließen vermöchten.
Zu den Rednern bei der Ordinationsfeier gehörten unter anderem der Präsident des World Jewish Congress, Ronald S. Lauder, und Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle. Minister Westerwelle betonte, die Tätigkeit der Rabbiner in Deutschland stelle einen Grundpfeiler jüdischer Gemeinden dar. WJC-Präsident Lauder betonte, Juden seien Teil der europäischen Gesellschaft, forderte die Europäer vor dem Hintergrund der jüngsten Versuche, jüdische Traditionen einzuschränken, aber auf: „Sagt den Juden nicht, wie sie jüdisch sein sollen.“
Für das Rabbinerseminar war es die dritte Ordinationsfeier. Unter den neuen Rabbinern ist Daniel Fabian mit 38 Jahren der älteste. Er wurde in Israel geboren, kam aber bereits als Säugling nach Deutschland. Während seines Diplomstudiums der Biologie in Aachen und Berlin engagierte er sich in der jüdischen Jugendarbeit. In Berlin nahm er das Rabbinatsstudium auf und leitet heute das jüdische Studieninstitut für Frauen in Berlin, die Lauder Midrasha.
Der 1981 in Kiew geborene und in Lettland aufgewachsene Reuven Konnik lebt seit 1992 in der Bundesrepublik. Bevor er das Studium am Rabbinerseminar begann, hatte er Jura und Judaistik in Heidelberg studiert. Er arbeitet mittlerweile als Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Potsdam.
Rabbiner Jonathan Konits, 1982 in Baltimore/USA geboren, studierte Philosophie und kam vor acht Jahren nach Deutschland, um über die deutsche Nachkriegsgeschichte zu promovieren. Er kam in Kontakt zur Lauder Yeshiva in Berlin, lernte dort erst Talmud und entschied sich dann für das Rabbinerstudium. Konits wird in Frankfurt als Rabbiner für das „Jewish-Experience“-Programm zuständig sein, das sich an junge jüdische Erwachsene wendet.
Der 25-jährige Rabbiner Naftoly Surovtsev stammt aus Weißrussland und lebt seit sechs Jahren in Deutschland. Bereits in Minsk war er im jüdischen Jugendzentrum aktiv. In Leipzig und Hamburg baute er die Studentenorganisation Morasha mit auf. Er wird künftig als Assistenzrabbiner in der Synagogen-Gemeinde Köln tätig sein.
hpk