28.09.2012

Generalsekretär des Zentralrats der Juden antisemitisch angepöbelt

Stephan J. Kramer, Foto: dpa
Stephan J. Kramer, Foto: dpa

Wieder kam es in Berlin zu einem antisemitischen Übergriff, diesmal war es Stephan J. Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, der am Mittwochnachmittag mit seinen beiden Kindern bedroht wurde.

Kramer befand sich auf dem Heimweg von der Synagoge, nachdem Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag, zu Ende gegangen war. "Offensichtlich fühlte sich der Täter provoziert durch ein sichtbares jüdisches Gebetsbuch", so Kramer.

Absurderweise ermittelt die Polizei wegen "wechselseitiger Bedrohung". Stephan J. Kramer gab an, dass die Pöbeleien rund 15 Minuten dauerten. "Der Mann drohte uns und ließ uns verstehen, dass er zugeschlagen hätte, wenn die Kinder nicht dabei gewesen wären." Nachdem der Angreifer nicht zu beruhigen war und mit körperlicher Gewalt drohte, wies Kramer daraufhin, dass er Waffenträger sei, um ihn von einem tätlichen Angriff abzuhalten.

Erst Ende August war in Berlin Rabbiner Alter zusammen geschlagen worden und erlitt einen Jochbeinbruch.

Die israelische Botschaft erklärte zu dem jüngsten Vorfall gegen Stephan Kramer und seine Familie: "Die Drohungen gegen ihn sind nur der jüngste Vorfall einer Reihe antisemitischer Angriffe in den vergangenen Wochen (...). Wir haben vollstes Vertrauen in die rechtsstaatlichen Institutionen und sind sicher, dass diese dafür Sorge tragen werden, dass solche Vorkommnisse sich nicht wiederholen und jüdisches Leben in Sicherheit gewährleistet ist. Wir stehen an der Seite unseres Freundes Stephan Kramer und seiner Familie."

Berlins regierende Bürgermeister Klaus Wowereit betonte, dass sich Berlin "gegen jede Form von Intoleranz und Gewalt" wende und jeder, der gegen diesen Grundkonsens verstößt, mit den entsprechenden strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müsse. In einer Stellungnahme der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Senat, Ramona Popp, und deren religionspolitischer Sprecherin, Susanna Kahlefeld, heißt es: "Jüdisches Leben muss in unserer Stadt öffentlich und sichtbar sein können, ohne dass Menschen Angst vor antisemitischen Übergriffen haben müssen".