Rede Hans-Werner Bartsch

Rede Hans-Werner Bartsch, Bürgermeister der Stadt Köln

Es gilt das gesprochene Wort, Sperrfrist: 12.30 Uhr

Sehr geehrte Herren Rabbiner ,

sehr geehrter Herr Präsident Lauder (Präsident des World Jewish Congress)

sehr geehrter Herr Lehrer , (Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln)
sehr geehrter Herr Dr. Graumann , (Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland)
sehr geehrter Herr Rabbi Burg , (Executive Director der Union of Orthodox Jewish)
sehr geehrter Herr Ehrentreu , (Rektor des Rabbinerseminars zu Berlin)
sehr geehrter Herr Rabbiner Engelmayer , (Gemeinderabbiner der Synagogen-Gemeinde Köln und Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands)
sehr geehrter Herr Grünberg (Vorstand des Bundes Traditioneller Juden und Kuratoriumsmitglied des Rabbinerseminars zu Berlin)

sehr geehrter Herr Minister Dr. Westerwelle

sehr geehrte Damen und Herren,

Ich danke Ihnen für die Einladung zu dieser Ordinationsfeier und möchte Sie im Namen von Rat und Verwaltung der Stadt Köln sehr herzlich in unserer Stadt begrüßen.

Keine andere deutsche Stadt ist so lange mit jüdischer Geschichte verbunden wie Köln.

Denn die jüdischen Wurzeln unserer Stadt reichen bis in die Antike zurück.

Die Kölner jüdische Gemeinde ist die älteste Gemeinde nördlich der Alpen. Sie ist seit dem Jahre 321, der Zeit Kaiser Konstantins, belegt.

Viele Jahrhunderte hindurch hat es hier also jüdische Bewohner und intensives jüdisches Gemeindeleben gegeben.


Im Mittelalter gehörte die Kölner Gemeinde zu den wichtigsten jüdischen Gemeinschaften am Rhein und in ganz Europa.


Die mittelalterliche Mikwe im Zentrum der Stadt und die dortigen Ausgrabungen zum jüdischen mittelalterlichen Viertel zeigen dieses ehemalige rege Gemeindeleben sehr deutlich.

Viele Rabbiner waren im Laufe der Jahrhunderte in Köln tätig. Es gab Gelehrte unter ihnen wie Elieser Ha-Levi, [Eli-eser Halevi] der für seine halachischen Schriften bekannt war, oder wie der Mystiker Abraham Axelrat, der im 13. Jahrhundert in Köln lebte.

Das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in Köln war wechselhaft, es gab Zeiten eines Mit- und Nebeneinanders, es gab Zeiten, in denen die jüdische Bevölkerung bedrängt und verfolgt wurde.

Nach der Vertreibung der Juden aus Köln im Jahr 1424 konnte sich erst um 1800 wieder eine jüdische Gemeinde in der Stadt bilden.

Auch sie hatte gelehrte und engagierte Rabbiner: So war Dr. Hirsch Plato, Schüler von Samson Raphael Hirsch in Frankfurt, lange Zeit in Köln als Rabbiner der orthodoxen Gemeinde Adass Jeschurun und des Jüdischen Lehrerseminars tätig.

Seine Nachfolger waren Dr. Emanuel und Dr. David Carlebach aus der berühmten Rabbiner-Familie Carlebach.
In der liberalen Gemeinde, hier in der Synagoge Roonstraße, amtierte bis 1939 Dr. Adolf Kober, ein bekannter Historiker, dessen Forschungen zu den mittelalterlichen jüdischen Gemeinden am Rhein noch heute gültig sind.

Adolf Kober wie auch David Carlebach konnte der Verfolgung während des NS-Regimes durch Emigration entkommen.


Dr. Isidor Caro jedoch, der ebenfalls als Rabbiner an der Synagoge Roonstraße tätig war, wurde mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet.

Seit dem Ende des NS-Regimes und der Neugründung der jüdischen Gemeinde 1945 hat sich die Kölner Gemeinde auf vielfältige Weise entwickelt.


Ich darf sagen, dass die Beziehungen zwischen der jüdischen Gemeinde und der Stadt Köln ausgezeichnet und von gegenseitigem Respekt geprägt sind.

Lassen Sie mich betonen: Köln ist sich seiner jüdischen Geschichte sehr bewusst.

Wir freuen uns daher besonders, dass die Ordinierung der vier jungen Rabbiner in Köln stattfindet.


Sie sind die Garanten für die zukünftige Entwicklung der jüdischen Gemeinden in Deutschland und für die Weiterführung der jüdischen Tradition.

Sehr geehrte Herren Rabbiner, ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Tätigkeit und allen Gästen einen angenehmen, interessanten Aufenthalt in unserer Stadt.