12. Jahrgang Nr. 8 / 31. August 2012 | 13. Elul 5772

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

GAON (hebräisch) – Herrlichkeit, Stolz, Erhabenheit.

Ursprünglich ein Titel von Talmudgelehrten und Kommentatoren. Die Geonim (Plural) waren Leiter der bekannten Talmud-Akademien in Babylonien im siebten bis elften Jahrhundert nach der Zeitenwende und die religiösen Lehrer und Führer des Judentums im frühen Mittelalter. Ihre Tätigkeit spielte eine entscheidende Rolle bei der Kodifizierung der talmudischen Diskussionen, also bei der Sammlung und Aufnahme von Regeln und Normen. Der Begriff „Gaon“ spielte auch später im aschkenasischen Judentum als Titel eines herausragenden Gelehrten eine Rolle, beispielsweise der „Wilnaer Gaon“, Rabbiner Elijahu ben Schlomo Salman (1720–1797).

GEMARA (aramäisch) – Vollendung, Vervollständigung.

Erweiterung der talmudischen Diskussionen der Rabbinen, die den Basistext der mündlichen Lehre, der Mischna, bis zum siebten Jahrhundert nach der Zeitenwende weiter kommentierten und erläuterten. Mischna und Gemara bilden zusammen den Talmud, die nachbiblische jüdische Lehre und Literatur. Es haben sich zwei Hauptstränge der Tradition herausgebildet. Der Stoff, der in den Akademien und Lehrhäusern des Heiligen Landes tradiert wurde, hieß „Talmud Jeruschalmi“ (Jerusalemer Talmud). Das Werk dagegen, das in den Lehrhäusern der babylonischen Diaspora entwickelt wurde, heißt „Talmud Bawli“ (Babylonischer Talmud). Wenn man heute allgemein vom Talmud spricht, so ist der umfangreichere Babylonische Talmud gemeint.