12. Jahrgang Nr. 8 / 31. August 2012 | 13. Elul 5772

Geschichtsklitterung

Ernennung eines rumänischen Holocaust-Leugners zum Minister löst Empörung aus

Im August hat Rumäniens Ministerpräsident Victor Ponta seinen Vertrauten, den Politiker Dan Sova, zum Mitglied der rumänischen Regierung berufen und mit der Pflege der Kontakte zum Parlament betraut. Die Ernennung gilt als eine Belohnung für die Unterstützung, die Sova dem Premier bei den jüngsten innenpolitischen Machtkämpfen in Rumänien gewährt hat. International löste die Berufung aber heftige Kritik aus. Noch im März hatte Sova nämlich die Verfolgung rumänischer Juden während des Holocausts geleugnet. In einem Fernsehinterview erklärte er, „dank Marschall Antonescu" – des mit Hitler verbündeten rumänischen Diktators – sei „keinem Juden auf rumänischem Territorium ein Leid geschehen". Dass er jetzt vor diesem Hintergrund ein Ministeramt übernehmen konnte, wurde als skandalös empfunden.
„Sovas Behauptung ist kein Zitierfehler, wie er jetzt behauptet, sondern eine Schande", erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, gegenüber der „Zukunft". „Ein Holocaust-Leugner gehört nicht an den Kabinettstisch, schon gar nicht in einem Land der Europäischen Union." Gegenüber „Handelsblatt Online" forderte der Zentralratspräsident denn auch: „Die EU und die Bundesregierung sollten der rumänischen Regierung rasch deutlich machen, dass ganz Europa besonders kritisch auf diesen skandalösen Fall blickt." Es sei zu fragen, so Dr. Graumann ferner, inwieweit Rumänien tatsächlich in der europäischen Wertegemeinschaft angekommen sei.
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz, forderte den Rücktritt des neuen rumänischen Ministers. „Ein Politiker, der die Verfolgung und Ermordung der rumänischen Juden abstreitet, ist meiner Meinung nach untragbar", erklärte Polenz gegenüber der Süddeutschen Zeitung. „Wer das Leid der rumänischen Juden in Abrede stellt, handelt geschichtsvergessen und verantwortungslos und beleidigt die Angehörigen der Opfer", sagte der CDU-Politiker. Nazi-Jäger Efraim Zuroff, Direktor des Israel-Büros des jüdisch-amerikanischen Simon-Wiesenthal-Zentrums, nannte die Entscheidung, Sova zum Minister zu berufen, „absolut empörend" und bezeichnete sie als „peinlich für die Regierung und das Land".
Die Verfolgung von Juden war ein prägendes Merkmal von Antonescus Herrschaft. Er ließ Juden nicht nur schikanieren und enteignen, sondern ermorden. Im Jahr 1941 wurden 160.000 Juden „vor Ort" ermordet. Brutalste Morde gab es aber auch in anderen Fällen. Weitere 150.000 Juden wurden in das sogenannte Transnistrien-Gebiet in der Ukraine deportiert, 90.000 von ihnen starben dort.
Antonescu ließ aber nicht nur Juden, sondern auch Roma verfolgen. Ein großer Teil von ihnen wurde ebenfalls nach Transnistrien deportiert. Rund 20.000 Roma wurden während der Antonescu-Herrschaft ermordet.
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