12. Jahrgang Nr. 8 / 31. August 2012 | 13. Elul 5772

Toleranztest

Die Beschneidungsdebatte, die gegenwärtig in Deutschland geführt werde, sei auch ein Toleranztest für die deutsche Gesellschaft. Das hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, in der ARD-Sendung „Menschen bei Maischberger“ am 14. August erklärt. Ein kritisches Gespräch zu diesem Thema, so der Zentralratspräsident, sei legitim. Allerdings werde der Streit um die Beschneidung oft als ein Instrument zur Verbreitung von Antisemitismus missbraucht, kritisierte Dr. Graumann. „Die Debatte wird immer hässlicher“, erklärte er. Auch in seriösen Medien würden ganze Gruppen schrill und unerbittlich ausgegrenzt.
Gleichzeitig forderte Dr. Graumann eine schnelle gesetzliche Regelung, die das Recht der Eltern, ihre Söhne beschneiden zu lassen, sicherstelle. Ohne dieses Recht, mahnte er, hätten Juden keine andere Wahl, als Deutschland zu verlassen, um ihre Religion weiterführen zu können. Die Debatte im Fernsehstudio wurde zum Teil sehr kontrovers geführt, wobei Gegner beziehungsweise Gegnerinnen der Beschneidung wenig Verständnis für die Argumente der Befürworter zeigten.
Der Bundestag hatte Mitte Juli mit großer Mehrheit eine Resolution zur Erlaubnis religiöser Beschneidung verabschiedet. Die Parlamentarier forderten die Bundesregierung auf, bis Herbst einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen.
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