12. Jahrgang Nr. 7 / 27. Juli 2012 | 8. Aw 5772

Regionalverbund

Das Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg will jüdische Studiengänge vernetzen und fördern

Das neue Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg ist keine geheime Dienststelle. Es ist nur so untergebracht: im zweiten Hinterhof des Hauses Sophienstraße 22a in Berlin-Mitte. Dort, in einem Institutsgebäude der Humboldt-Universität residiert das Organisationsteam für das wissenschaftliche Kooperationsprojekt: ein promovierter Nachwuchswissenschaftler, ein Verwaltungsmitarbeiter und ein Sekretariat, unterstützt von studentischen Hilfskräften. Das Zentrum wird aus Bundesmitteln finanziert. Seine Träger sind die Humboldt-Universität, die Freie Universität Berlin, die Technische Universität und die Universität Potsdam. Ferner sind zwei selbständige Stellen der Potsdamer Universität beteiligt: das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien sowie das Abraham Geiger Kolleg.
Das Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg soll eine Vielzahl wissenschaftlicher Initiativen und Einrichtungen in der Bundeshauptstadt und in der brandenburgischen Landeshauptstadt miteinander vernetzen und dazu beitragen, den Fachbereich Jüdische Studien weiterzuentwickeln, vor allem aber den akademischen Nachwuchs zu fördern. Ein erster sichtbarer Ausdruck des zunächst für fünf Jahre abgesicherten Projekts ist das gemeinsame Vorlesungsverzeichnis für Jüdische Studien in Berlin und Brandenburg. Allein das ist ein durchaus ambitioniertes Vorhaben, das die große Vielfalt relevanter Lehrveranstaltungen, die von einer Reihe von Hochschulinstituten angeboten werden, auf einen Nenner bringen will. Manche dieser Veranstaltungen haben auf den ersten Blick wenig mit jüdischer Religion, Geschichte, Philosophie oder Kultur zu tun – so etwa wenn sie Fachgebieten wie Byzantinistik oder Philologie zugeordnet sind. Dennoch werden sie wegen ihres inhaltlichen Themenbezugs erfasst.
Das neue Zentrum hat viel vor. Es wird den Schwerpunkt Jüdische Theologie an der Universität Potsdam stärken und dort einen weiteren Lehrstuhl, eine Gast- und eine Juniorprofessur einrichten. Ergänzend dazu wird eine Professur für Jüdische Musik und Synagogalmusik in Weimar finanziert, die das Abraham Geiger Kolleg gemeinsam mit der dort angesiedelten „Hochschule für Musik Franz Liszt“ berufen wird. Die Themen, die das Zentrum verfolgen will, setzen den Dialog zwischen jüdisch-theologisch und kulturwissenschaftlich orientierten Teilgebieten voraus. Ein wichtiges Thema ist die Geschichte des Faches „Jüdische Studien“ seit der jüdischen Aufklärung in Preußen. Ein weiterer Strang soll sich der Geschichte der drei großen monotheistischen Religionen und ihres wechselvollen Verhältnisses zueinander widmen. Schließlich sind Forschungsprojekte zur Erinnerungsgeschichte nach der Schoa geplant. Eine Graduiertenschule wird diese Schwerpunkte durch Stipendien für entsprechende Doktorarbeiten unterstützen.
hpk