12. Jahrgang Nr. 7 / 27. Juli 2012 | 8. Aw 5772

Konservatives Rabbinerseminar in Potsdam

Neue Lehrstätte soll Rabbinatsanwärter der Masorti-Bewegung ausbilden

In Kürze sollen an der Universität Potsdam auch konservative Rabbiner ausgebildet werden. Am 20. Juni 2012 unterzeichnete der Dekan des Rabbinerseminars der American Jewish University von Los Angeles, Rabbiner Professor Bradley Shavit Artson, das Gründungsdokument für den Zacharias Frankel Campus Europe in der brandenburgischen Landeshauptstadt. Dabei handelt es sich um eine Außenstelle des amerikanischen Seminars. Deutscher Partner der Gründung ist die „Leo Baeck Foundation“, die 2006 zur Unterstützung des liberalen Abraham Geiger Kollegs gegründet worden ist. In Kooperation mit dem Kolleg – aber auf der Basis eines eigenen Lehrplans – sollen an der Universität Potsdam künftige Rabbiner der Masorti-Bewegung in Europa studieren. Das wissenschaftliche Angebot in Potsdam wird deshalb um eine internationale Gastprofessur „Jüdisches Recht“ erweitert.
Der Namenspatron der neuen Rabbinerbildungsstätte ist Zacharias Frankel (1801–1875). Er gilt als Begründer des konservativen (oder Masorti-)Judentums, einer Strömung, die sich zwischen Orthodoxie und Reformjudentum angesiedelt sieht und in den USA heute die zweitstärkste jüdische Denomination bildet. Frankel leitete 22 Jahre lang das erste akademische Rabbinerseminar in Deutschland: das Jüdisch-theologische Seminar in Breslau.
Das neue konservative Seminar wird seine Arbeit im nächsten Jahr aufnehmen. Bis dahin will die Potsdamer Universität die Jüdischen Studien in ein Department für jüdische Theologie mit Fakultätscharakter umwandeln. Universitätsrektor Professor Oliver Günther begrüßte die Ansiedlung des konservativen Rabbinerseminars und kündigte an, die Zusammenarbeit mit der Hochschule auf eine vertragliche Grundlage zu stellen.
hpk