12. Jahrgang Nr. 7 / 27. Juli 2012 | 8. Aw 5772

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

GABBAI (hebräisch):

wichtiger Amtsträger der Gemeinde. Das Wort wird auf die Wurzel „gvh“ zurückgeführt, was „hoch, erhaben“ oder aber „das Eintreiben von Zahlungen“ bedeuten kann. Letzteres war auch die ursprüngliche Funktion der Gabbaim, die als Almoseneintreiber und Verwalter der Sozialwohlfahrt der Gemeinden tätig waren. Später wurde der Begriff auch auf andere Funktionen bei der Synagogenverwaltung und der Abwicklung des Gottesdienstes ausgedehnt. So ist der Gabbai auch für das Aufrufen zur Schriftlesung während der G‘ttesdienste zuständig. In chassidischen Gemeinden wirkt der Gabbai als persönlicher Assistent und Sekretär des Rebben. In vielen Synagogen wird der Gabbai jährlich von den Betenden gewählt.

GALLUT (hebräisch):

Verbannung, Zerstreuung; Jiddisch – Goles. Damit ist das vor allem das Leben der jüdischen Gemeinschaft außerhalb Israels in den neunzehn Jahrhunderten nach der Zerstörung des Zweiten Tempels und der Vertreibung der Juden aus dem Land gemeint. Daher ist die Galut psychologisch betrachtet ein unfreiwilliger Zustand. Im Jiddischen bürgerte sich für lange, unangenehme Zeitabschnitte der Begriff ein „lang wie der jiddischer Goles“. In unserer Zeit wird der Begriff von manchen als unzeitgemäß betrachtet, weil das Leben außerhalb des Landes Israel seit der Wiederbegründung des Staates im Jahr 1948 nicht mehr erzwungen ist. In Israel selbst wird heute eher das Wort „Tfutzot“ verwendet (Diaspora).