12. Jahrgang Nr. 6 / 29. Juni 2012 | 9. Tammus 5772

Einigung

Das Schächten bleibt in den Niederlanden erlaubt

Nach langem Tauziehen haben die Niederlande auf ein in fortgeschrittenem Gesetzgebungsstadium befindliches Schächtverbot verzichtet. Vor einem Jahr hatte das Unterhaus des niederländischen Parlaments ein Gesetz verabschiedet, das die Schlachtung ohne vorherige Betäubung der Tiere – und damit die rituelle Schlachtung nach der Halacha, aber auch nach Regeln des Islam – verbieten sollte. Nach lautstarken Protesten der beiden Religionsgemeinschaften wurde die für das Inkrafttreten nötige Verabschiedung der Novelle durch das Oberhaus des Parlaments erst einmal ausgesetzt. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland wurde damals bei der niederländischen Regierung vorstellig und sprach sich gegen das geplante Gesetz aus.
Im Endergebnis rückte Den Haag von dem Vorhaben ab. Stattdessen unterzeichneten die Regierung und Vertreter der jüdischen wie der moslemischen Gemeinschaft Anfang Juni eine Vereinbarung, der zufolge die rituell verbindliche Schlachtung erlaubt bleibt, solange das Tier innerhalb von 40 Sekunden das Bewusstsein verliert. Sonst muss das Tier nach Ablauf dieser Zeit betäubt werden. Angesichts dieser Einigung, die die zunächst geplante Novellierung ersetzt, wies das Oberhaus kurze Zeit später die Gesetzesvorlage ab.
Die Regelung wurde in der jüdischen Welt allgemein begrüßt. Im Gespräch mit der „Zukunft“ erklärte Rabbiner Raphael Evers, Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinschaft der Niederlande (NIK), die Bestimmung stehe der Ausübung der Schchita nicht im Wege. Der Rabbiner der Jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund und Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, Avichai Apel, erklärte in diesem Zusammenhang: „Die von unseren Weisen erlassenen Bestimmungen stellen sicher, dass das Tier innerhalb weniger Sekunden – und nicht erst nach vierzig Sekunden – das Bewusstsein verliert.“ Soweit feststellbar, führe der schnelle, tiefe und glatte Schnitt zum Bewusstseinsverlust, noch bevor das Schmerzempfinden einsetze.
„Wenn das Tier nach 40 Sekunden noch bei Bewusstsein wäre, müsste gefragt werden, ob die Schlachtung wirklich gemäß der Halacha durchgeführt wurde und das Fleisch zum Verzehr freigegeben werden darf“, führte Rabbiner Apel aus und fügte hinzu: „Die neue Regelung darf aber nicht den Eindruck erwecken, dass das Tier bei der halachisch konformen Schchita 40 Sekunden lang leiden müsse. Das ist nämlich eindeutig nicht der Fall.“
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