12. Jahrgang Nr. 3 / 30. März 2012 | 7. Nissan 5772

Hilfsbereit

Im Februar hat eine Delegation der „Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland“ (ARK) acht Tage lang Polen besucht. Unter Leitung ihres Vorsitzenden, des Augsburger Rabbiners Dr. Henry G. Brandt, führte die Delegation Gespräche mit Vertretern jüdischer Gemeinden und Kulturzentren in Breslau, Krakau und Warschau wie auch mit dem polnischen Oberrabbiner Michael Schudrich.
Wie viele andere Gesprächspartner habe auch Schudrich beklagt, dass das Judentum in Polen weitgehend säkularisiert sei, berichtete Rabbiner Brandt im Gespräch mit der „Zukunft“. Nur wenige der rund 8.000 halachischen Juden fänden den Weg in die Synagoge. Auf der anderen Seite zeigten aber viele Menschen Interesse, jüdisches Leben wieder aufzubauen, und beriefen sich dabei auch auf jüdische Vorfahren.
Die Allgemeine Rabbinerkonferenz, der nichtorthodoxe Rabbiner angehören, bot an, auf Wunsch Hilfestellung zu leisten, beispielsweise um Dokumente über die Zugehörigkeit zum Judentum zu prüfen. Außerdem sei das Bet Din der ARK, das Allgemeine Rabbinatsgericht, bereit, jüdische Gemeinden in Polen bei Übertrittsverfahren zu unterstützen und – falls erwünscht – auch über Übertritte zu entscheiden.
Zum Abschluss ihrer Reise nahm die ARK gemeinsam mit dem deutschen Botschafter Rüdiger Freiherr von Fritsch in der liberalen Synagoge Etz Chaim – sie ist Teil der Warschauer Einheitsgemeinde – an der feierlichen Einweihung eines modernen Tora-Schreins und einer neuen Bima teil. Beide gehörten ursprünglich der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover Etz Chaim. Nach ihrem Umzug in ein eigenes Gemeindezentrum entschied sich die hannoversche Gemeinde, das nicht mehr benötigte, aber künstlerisch wertvolle Synagogen-Interieur den Namensvettern in Warschau zu schenken.
hpk