12. Jahrgang Nr. 1 / 27. Januar 2012 | 3. Schwat 5772

Rasur des Jahres

Der jüdische Sänger Matisyahu nimmt Abschied von seinem Bart

Normalerweise ist es den Fans eines Sängers recht egal, ob er einen Bart trägt oder nicht. Anders ist es bei Matthew Miller, besser bekannt unter seinem aschkenasisch-hebräischen Künstlernamen Matisyahu. Als Matisyahu sich kürzlich seinen nach streng orthodoxer Manier langen Bart abrasierte, gerieten viele jüdische Gemüter in Wallung. Bei Matthew-Matisyahu war der Bart nicht nur ein äußeres Merkmal, sondern auch ein Wahrzeichen seiner Gesinnung als Musiker, der Judentum mit moderner Unterhaltung verband.
Der vor 31 Jahren geborene amerikanische Jude Miller wuchs in einem nicht besonders frommen Elternhaus auf. Dann aber wandte er sich der Religion und der Spiritualität zu und schloss sich mit neunzehn Jahren den Lubawitscher Chassidim an. Seinen Beruf als Reggae- und Rockmusiker gab er nicht auf, führte aber in seine Lieder Elemente liturgischer Musik und religiöse Motive ein. Seine Texte, erklärte er, seien von seinem Glauben geprägt. Der Künstlername Matis­yahu ist die aschkenasische Version von Mattitjahu, auf Englisch Matthew und auf Deutsch Matthias. Matisyahu führte einen frommen Lebenswandel, trat in orthodoxer Kluft auf, gab keine Konzerte am Schabbat und ließ sich einen Bart wachsen. Seiner Karriere tat das keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Sein unorthodox orthodoxer Stil kam bei Juden wie bei Nichtjuden gut an.
Im Dezember aber stellte er ein Foto von sich mit glatt rasiertem Gesicht ins Internet. „Tut mir leid, Leute“, schrieb er an seine Fangemeinde, „kein chassidischer Reggae-Star mehr.“ Er habe die strikten Regeln der Orthodoxie nicht mehr nötig. Daher nehme er „sich selbst wieder in Besitz“. Die Reaktionen waren gemischt. Viele jüdische Fans erklärten, es komme nicht auf den Bart, sondern auf die Musik an. Andere waren enttäuscht; einer kündigte sogar an, unter Matisyahus Einfluss selbst eine Bartrasur vornehmen zu wollen.
Von der Religion hat sich der Künstler allerdings nicht verabschiedet. Vielmehr bekannte er, er glaube nach wie vor an seine „gottgegebene Mission“, und kündigte eine „Musik der Wiedergeburt“ an. Der New Yorker Rabbiner Simcha Weinstein, der mit dem Sänger befreundet ist, mutmaßte, das Schlagwort „chassidischer Reggae-Star“ sei für ihn zu einer Last geworden. Matisyahus geistige Reise aber, gab sich der Rabbiner zuversichtlich, gehe auch ohne Bart weiter. Internet: http://matisyahuworld.com

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