12. Jahrgang Nr. 1 / 27. Januar 2012 | 3. Schwat 5772

Zentralrat macht Kultur

Das zehnte Förderprogramm ist angelaufen

Der Zentralrat der Juden in Deutschland mischt sich, wie man weiß, nicht in die inneren Angelegenheiten der Gemeinden ein. Das bedeutet aber nicht, dass er sie nicht unterstützen kann.
Im Bereich der Kultur stellen die vom Zentralrat geförderten Maßnahmen ein wichtiges Element des Gemeindelebens dar. Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, veröffentlicht er jährlich sein Kulturprogramm, mit dem das bestehende Kulturangebot der Gemeinden ergänzt wird. Zugleich wird die kulturelle Vernetzung der Gemeinden unterstützt und die Bandbreite jüdischer Kultur dem jüdischen Publikum – zunehmend aber auch der nichtjüdischen Öffentlichkeit – zugänglich gemacht. Ferner ist die Künstlerförderung ein geeignetes Mittel zur Integration von Zuwanderern mit künstlerischen Berufen, stammen doch die meisten teilnehmenden Künstler aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.
Bei dem Programm handelt es sich um eine Art Katalog, der alle vom Zentralrat angebotenen und von ihm geförderten Veranstaltungen auflistet. Erstmals wurde das Programm 2004 auf Anregung des damaligen Präsidenten Paul Spiegel s. A. zusammengestellt. Nachdem es zunächst halbjährlich erschien, findet die Veröffentlichung nunmehr jährlich statt. Dadurch erklärt sich, dass wir im siebten Erscheinungsjahr die zehnte Ausgabe feiern. Sie wurde den Gemeinden zum Jahreswechsel zugestellt.
Das Programm setzt sich aus Veranstaltungen in den Bereichen Chasanut (liturgische Konzerte), klassische Musik, Unterhaltungsmusik, Theater und Ausstellungen zusammen. Das Kulturprogramm wird aufgrund von Empfehlungen der Gemeinden und von Angeboten der Künstler zusammengestellt. Die Gemeinden können bis zu zwei Veranstaltungen für ihr Publikum wählen. Der Zentralrat schließt mit den Künstlern Verträge für eine Gastspielreihe ab und kommt für den Großteil der Kosten, nämlich Honorare und Reisekosten, auf. Die Gemeinden stellen ihrerseits den Saal und die Technik und sorgen für eine angemessene Bewerbung der Veranstaltungen.
Die Bedeutung des Programms lässt sich an den Zahlen ablesen: Über 90 Prozent der Gemeinden nutzen inzwischen das Angebot. Fast 180 Veranstaltungen werden jährlich gefördert. Damit hat sich das Kulturprogramm auf einem Rekordniveau stabilisiert. Für viele Gemeinden sind die Veranstaltungen aus dem Kulturprogramm die einzige Möglichkeit, größere Events auf die Beine zu stellen. Das Kulturprogramm spiegelt auch die unterschiedlichen Prioritäten der Gemeinden wider. Die eine Gemeinde setzt auf Klassikreihen, die andere auf Klezmer-Partys und wieder eine andere auf Programme insbesondere für russischsprachige Mitglieder. In vielen Fällen wird versucht, die jüngere Generation gezielt anzusprechen.
Mit den Jahren hat sich der Trend zu Konzerten verfestigt. Ausstellungen haben es häufig aufgrund ihrer Größe und technischen Voraussetzungen schwer. Zunehmend nutzen Gemeinden das Kulturprogramm jedoch auch für Kooperationen, so dass Angebote des Zentralrats in größerem Rahmen oder bei städtischen Einrichtungen zu erleben sind. Veranstaltungen wurden auch schon im Rahmen von jüdischen Kulturtagen oder Benefizveranstaltungen durchgeführt. Das Programm wird jährlich mit Hilfe von Rückmeldebögen evaluiert, die die Gemeinden nach jeder Veranstaltung einschicken.
2012 wird die gute Tradition fortgesetzt. Das Angebot im Bereich Unterhaltung wurde noch einmal aufgestockt. Da sich in den vergangenen Jahren Klezmermusik besonderer Beliebtheit erfreut hat, werden in diesem Jahr noch mehr Gruppen als bisher angeboten. Neu dabei sind die Nürnberger Formation „Klezmeron", das „Münchener Klezmer Orchester" sowie die „Hamburg Klezmer Band". Auch Liebhaber jiddischer Chansons kommen auf ihre Kosten mit dem jungen Duo „Blum" oder mit „Svetlana & Lev".
Experimentierfreudigere Gemeinden können den bekannten DJ Yuriy Gurzhy mit „Russendisko meets Shtetl Superstars" einladen. Jazziges bieten das Trio von Max Doehlemann sowie Vadim Neselovskyi mit dem Hornisten Arkady Shilkloper. Bemerkenswert ist das österreichisch-türkische Ensemble Saltiel mit sephardischer Hochzeitsmusik. Im Bereich der klassischen Musik bieten Sophie Brüss, Alexander Zolotarev und Ramon Jaffé mit „Perlen der jüdischen Kammermusik" Bestleistungen. Das international bekannte Klavierduo „Silver-Garburg" steht den Gemeinden erstmalig zur Verfügung, während die in Berlin lebende britische Pianistin Julie Sassoon ein innovatives Konzert auf die Bühne bringt.
Im Bereich Theater ist das Kinder- und Jugendtheater „Svetlana Fourer Ensemble" mit Singers „Geschichtenerzähler" zum ersten Mal dabei. In der Sparte Ausstellungen werden die Wanderausstellungen „Neue Synagogen" und „Weiterleben – Weitergeben: Jüdisches Leben in Deutschland" fortgesetzt. Neu dazugekommen sind die Fotoausstellung über Laubhütten von Mimi Levy-Lipis sowie die Ausstellung „Zwischen Sowjetstern und Davidstern", die Berliner Veteranen des Zweiten Weltkrieges vorstellt.
2012 markiert auch den Beginn einer „Chasanut-Offensive": Noch nie wurden in den Vorjahren so viele Angebote im Bereich der liturgischen Gesangskunst angeboten. Aus Haifa kommt Kantor Boaz Davidoff, der sich selbst auf der Gitarre begleitet. Das internationale Trio des Kantorenseminars des Abraham-Geiger-Kollegs unter der Leitung von Dr. Jascha Nemtsov verspricht ebenso Musikgenuss wie Svetlana Portnyansky, die „russische Barbra Streisand", die mit dem Chasanut-Programm „Kol Hane­shama" von sich reden macht. Oberkantor Shmuel Barzilai, den Gemeinden bereits aus früheren Jahren bekannt, tritt auch 2012 auf.
Empfehlungen und Bewerbungen für das Jahr 2013 können jetzt schon an den Zentralrat eingesandt werden
unter der E-Mail-Adresse kultur@zentralratderjuden.de,
per Fax unter (030) 28 44 56 13
oder per Post an den
Zentralrat der Juden in Deutschland, Kulturprogramm,
Postfach 04 02 07,
10061 Berlin.
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