11. Jahrgang Nr. 12 / 16. Dezember 2011 – 20. Kislew 5772

Repräsentanten

Keine klaren Mehrheiten brachten am 4. Dezember 2011 die Wahlen zur 17. Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Dem vorläufigen Ergebnis zufolge erfuhr die stark sozialpolitisch engagierte Gruppe KOACH! unter der Führung des früheren Gemeindevorsitzenden und Betriebswirts Gideon Joffe den größten Zuspruch. Sie erhielt neun der 21 Sitze. Ihr gegenüber stehen die Gruppen SCHALOM mit sieben und VERANTWORTUNG JETZT! mit drei Sitzen. Zünglein an der Waage werden zwei Unabhängige sein: Der ehemalige Diplomat Alexander Brenner stand der Berliner Gemeinde von 2001 bis 2004 vor und brachte nun mit 1.078 Stimmen mehr Wähler hinter sich, als andere Kandidaten jeweils erringen konnten. Der Internist Natan Del kam mit 898 Stimmen auf den vierten Platz.
Die problematische Finanzlage der Gemeinde stellt das Gemeindeparlament und den künftigen Vorstand vor große Herausforderungen. In einer ersten Stellungnahme erklärte Sergey Lagodinsky von SCHALOM, es komme darauf an, einen breiten Konsens für Einsparungen herzustellen. Es gelte auch, die Einheit der Gemeinde zu sichern.
Micha Guttmann von VERANTWORTUNG JETZT! verlangt intensive Gespräche zwischen allen Beteiligten. Angesichts des defizitären Haushalts brauche die Gemeinde für Verhandlungen mit dem Berliner Senat eine starke Vertretung. Natan Del sprach sich für Gideon Joffe als den künftigen Gemeindevorsitzenden aus, wobei er eine enge Zusammenarbeit zwischen Joffe und dem Drittplatzierten Lagodinsky befürwortete. Alexander Brenner ist überzeugt, dass es für das Problem der hohen Gemeinderenten eine Übergangslösung geben müsse. Die wichtigste Aufgabe eines neuen Vorstandes aber sei, offensiver gegen den um sich greifenden Antisemitismus vorzugehen.
hpk