11. Jahrgang Nr. 12 / 16. Dezember 2011 – 20. Kislew 5772

Ehrung

Wolfgang Nossen mit dem Thüringischen Verdienstorden ausgezeichnet

Noch bevor die Ratstagung offiziell eröffnet wurde, wartete auf die Delegierten am Abend des 26. November ein erfreuliches Ereignis: Sie waren zu der in Erfurt stattfindenden Verleihung des Thüringischen Verdienstordens an den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Wolfgang Nossen, eingeladen. Wie Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht in ihrer Laudatio hervorhob, wurde die höchste Auszeichnung des Bundeslandes Nossen für seine „seine Schaffenskraft, seinen Glauben an Frieden und Gerechtigkeit, sein mutiges Vorgehen gegen Rechtsextremismus und Gewalt und sein unermüdliches Eintreten für das gute Verhältnis der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen zum Land und zum nichtjüdischen Teil der Gesellschaft“ zuerkannt.
Nossen, der sein Amt als Gemeindevorsitzender seit anderthalb Jahrzehnten ausübt, war entscheidend am Aufbau jüdischen Lebens in Thüringen beteiligt. Heute hat die Gemeinde, die nach der deutschen Vereinigung ganze 26 Mitglieder zählte, eine Mitgliederzahl von 830 – in der großen Mehrheit Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion.
Mit Umbruch und Migration hat Nossen seine eigenen Erfahrungen gemacht. Im Alter von sieben Jahren erlebte er im heimatlichen Breslau die „Reichskristallnacht“ und die Verhaftung seines Vaters, dem es gelingen würde, die KZ-Haft zu überleben und 1945 wieder zu seiner Familie zu finden. Wolfgang selbst überlebte die Nazi-Diktatur und hatte Verfolgung, Verhöre, Zwangsarbeit, Flucht und Versteck erlitten. Nach Kriegsende siedelte sich die Familie in Erfurt an. Zwischen 1948 und 1977 lebte Nossen in Israel, von wo er nach Deutschland zurückkehrte. Allerdings blieb er Israel verbunden. An seinem Anzug trägt er bis heute einen Anstecker mit der deutschen und der israelischen Flagge. 1989 reiste er wieder nach Erfurt. Dort traf er seine Jugendliebe, Elisabeth, wieder, die heute seine Ehefrau ist: Eine filmreife Geschichte, meinte denn auch Zentralratspräsident Dieter Graumann, so filmreif, dass sie für ein Drehbuch fast schon übertrieben erscheint – aber dennoch wahr.
Nossen hat sich einen Namen als unermüdlicher Kämpfer für Anliegen gemacht, die ihn bewegen: jüdisches Leben, Bekämpfung des Rechtsextremismus, aber auch die Pflege guter Beziehungen zur nichtjüdischen Umwelt. Ein Bequemer war er nie, hartnäckig und kritisch schon – und auch dadurch hat er sich Hochachtung erworben. „Besonders ein Attribut“, lobte Ministerpräsidentin Lieberknecht, „kennzeichnet Ihre Person: Eindeutigkeit“. Wenn einer diesen Orden verdient habe, sekundierte Graumann, dann Nossen. Seinerseits bedankte sich der Geehrte bei der Regierungschefin für die Auszeichnung.
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