11. Jahrgang Nr. 9 / 23. September 2011 – 24. Elul 5771

Begegnungen

Jüdische Kulturveranstaltungen in Berlin und Frankfurt erfolgreich / Zentralratspräsident befürwortet Veranstaltung auf Bundesebene

Jüdische Kulturtage haben in der Bundesrepublik inzwischen Tradition, doch lässt ihre Beliebtheit deswegen keineswegs nach – ganz im Gegenteil. Das haben die im September durchgeführten Jüdischen Kulturtage in Berlin (8.9 – 18.9) und die Jüdischen Kulturwochen in Frankfurt (4.9. – 18.9) mit ihren hohen Besucherzahlen und dem breiten öffentlichen Echo erneut bewiesen.
In beiden Städten stand das diesjährige Programm im Zeichen der Begegnung und des Dialogs. In Berlin kamen Vertreter der drei monotheistischen Religionen vor der Neuen Synagoge Oranienburger Straße zu einem Vorlesemarathon zusammen. An vier Tagen lasen sie insgesamt 56 Stunden lang aus den heiligen Büchern ihrer jeweiligen Religion vor: dem Tanach, dem Neuen Testament und dem Koran, vor. Mit dabei waren unter anderem der Berliner Erzbischof Rainer Woelki, die Superintendentin der Evangelischen Kirsche, Isolde Böhme, Bundestagspräsident Norbert Lammert, der Berliner Innensenator Dr. Erhart Körting, der Bundesvorsitzende der “Grünen“, Cem Özdemir, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind und der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer. Informationen über das Judentum, Synagogenbesuche und Musikveranstaltungen standen ebenfalls auf dem Programm.
In Frankfurt wurden die Jüdischen Kulturwochen von der Jüdischen Gemeinde und dem Kulturamt der Mainmetropole ausgerichtet. Lesungen, Musikveranstaltungen, Führungen und Filme boten Gelegenheit zum Kulturgenuss. Die Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras stellte ihr Buch „Titos Brille“ vor. Astrid Rosenfeld las aus ihrem Buch „Adams Erbe“, und der Filmemacher Michel Bergmann machte das Publikum mit seinem Roman „Die Teilacher“ vertraut. Zu den prominenten Künstlern, die bei den Kulturwochen auftraten, gehörten die Sängerin und Schauspielerin Sharon Brauner, der Kabarettist Oliver Polak und die Grande Dame des israelischen Chansons, Chava Alberstein. Wie der Kulturdezernent der Jüdischen Gemeinde und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, und der Kulturdezernent der Stadt Frankfurt, Professor Felix Semmelroth, erklärten, zeigte das Programm zugleich, dass Juden ein unverzichtbarer Bestandteil des Frankfurter Kulturlebens seien.
Angesichts der zahlreichen Erfolge jüdischer Kulturveranstaltungen müsse noch viel mehr für die jüdische Kultur in Deutschland getan werden, erklärte der Zentralratspräsident. Dafür müssten auch die erforderlichen Mittel aufgebracht werden. Unter anderem regte Dr. Graumann jüdische Kulturtage auf Bundesebene an. Wie sich bei allen jüdischen Kulturveranstaltungen auf Landes- und Stadtebene zeige, sei das öffentliche Interesse an jüdischer Kultur sehr groß; die meisten Zuschauer seien Nichtjuden. Daher würde eine bundesweite Veranstaltung die Begegnung mit jüdischer Kultur umfassend fördern. „Wir wollen“, unterstrich Dr. Graumann, „unsere Kultur als neuen Leuchtturm jüdischen Lebens hierzulande etablieren und werden das auch entschieden vorantreiben.“
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