11. Jahrgang Nr. 9 / 23. September 2011 – 24. Elul 5771

Gotteshaus

Die Synagoge der Hansestadt feierte ihr 50jähriges Jubiläum mit der Einweihung einer Torarolle

Am 29. August feierte die jüdische Gemeinde in Bremen das 50jährige Jubiläum ihrer Synagoge. Das Jubiläum wurde mit der Einweihung einer neuen Torarolle begangen. Zu der der von Landes- und Gemeinderabbiner Netanel Teitelbaum geleiteten Feier waren zahlreiche Gäste erschienen, unter ihnen der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, der Bremer Bürgermeister Jörg Böhrsen, der Präsident der Bremer Bürgerschaft, Christian Weber und die Alt-Bürgermeister Hans Koschnick und Henning Scherf. Als Gastgeberin fungierte die Gemeindevorsitzende Elvira Noa.
Das seinerzeit vom Architekten Karl Gerle entworfene Gotteshaus gehört zu den älteren Synagogen, die heute in der Bundesrepublik bestehen. Die Bremer Hauptsynagoge der Vorkriegszeit war während der „Reichskristallnacht“ von den Nationalsozialisten zerstört worden. Vor diesem Hintergrund bezeichnete Dr. Graumann das Jubiläum der heutigen Synagoge in historischer Hinsicht als ein Wunder. In seiner Ansprache hob er de Bedeutung der Synagoge hervor und würdigte die erfolgreiche Arbeit der Gemeinde.
Zugleich unterstrich er den Wandel, den die jüdische Gemeinschaft in ganz Deutschland erlebe. Niemals in ihrer immerhin schon 1.700 langen Geschichte hätten Juden hierzulande so frei und sicher wie heute leben können. Das sei erfreulich, zugleich aber auch ein Anlass, sich in der Gesellschaft noch stärker als bisher zu engagieren. Juden in Deutschland, betonte Dr. Graumann, sollten vorleben, dass das Judentum durchaus fröhlich, heiter und optimistisch sei. Aber dennoch werde sich die jüdische Gemeinschaft immer für die Themen engagieren, die ihr am Herzen liege und nannte in diesem Zusammenhang das Anprangern anti-israelischer und antisemitischer Äußerungen, die in letzter Zeit vermehrt aus der Bremer Linkspartei zu hören waren.
Die erste jüdische Gemeinde in Bremen wurde im Jahre 1803 gegründet, doch wurden nur anderthalb Jahrzehnte später nahezu alle jüdischen Bewohner zum Verlassen der Stadt gezwungen. Erst 1849 wurde Juden wieder erlaubt, ihren Wohnsitz in Bremen zu nehmen. Vor der Machtergreifung durch die NSDAP 1933 lebten in Bremen rund 1.400 Juden. Ein Großteil von ihnen wurde während des Holocausts ermordet. 1945 wurde eine neue Gemeinde gegründet, die 1961 150 Mitglieder hatte. Durch die Zuwanderung aus der ehemaligen UdSSR nahm die Mitgliederzahl stark zu und liegt heute bei rund 1.100. In der Synagoge werden regelmäßig Gottesdienste abgehalten. Darüber hinaus gibt es in der Gemeinde eine Mikwe, ein Jugendzentrum, einen Makkabi-Sportverein, eine Theatergruppe, ein Integrationsbüro und einen Seniorentreff.
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