11. Jahrgang Nr. 8 / 26. August 2011 – 26. Aw 5771

Intoleranz

Eine Bürgergruppe in San Francisco will religiöse Beschneidung verbieten – mit antisemitischen Motiven

Eine in San Francisco gestartete Initiative zum Verbot der jüdischen und moslemischen Beschneidung ist vorerst gescheitert. Die Initiatoren hatten mit einer Unterschriftensammlung verlangt, das von ihnen geforderte Beschneidungsverbot zum Thema eines Volksentscheids zu machen. Indessen beschloss ein Gericht in San Francisco, ein medizinischer Eingriff dürfe nicht auf diesem Wege verboten werden. Daher sei es auch unzulässig, eine Volksabstimmung darüber abzuhalten. Der Gerichtsbeschluss wurde von jüdischen und moslemischen Organisationen begrüßt. Ob die Affäre damit ausgestanden ist, bleibt jedoch ungewiss. Zum einen haben die Initiatoren eine Berufung gegen das Urteil angekündigt. Zum anderen aber hat der Vorstoß eine Debatte ausgelöst, die weit über den Einzelfall hinausgeht.
Die offizielle Argumentation der Initiatoren – einer Gruppe von Einwohnern der kalifornischen Stadt – lautet, die Beschneidung von Jungen stelle einen unnötigen, schmerzhaften und ohne die Zustimmung der Betroffenen vorgenommenen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit der Kinder dar. Dieses Argument wurde vom Gericht, wie gesagt, verworfen, doch sehen Juden und Moslems in der Initiative, über den medizinischen und formaljuristischen Aspekt hinaus, einen massiven Angriff auf ihr Recht auf freie Religionsausübung. Damit rückt der Streit in den Rang einer verfassungsrechtlichen Debatte von der Sorte auf, die in Amerika jahrelang Schlagzeilen machen kann.
Zudem zeigte die Kampagne der Beschneidungsgegner klare antisemitische Motive. Einer der Anführer der Verbotsinitiative, Matthew Hess, hat ein Comic-Heft mit dem Titel „Monster-Mohels“ (jüdische Beschneider) veröffentlicht, in dem ein nach Superman-Manier gekleideter Held eine Gruppe finsterer Rabbinergestalten bekämpft und ein Neugeborenes kurz vor der geplanten Beschneidung aus ihren Händen befreit. Der superblonde Judenbekämpfer trägt den Namen „Foreskin Man“ (Vohaut-Mann). In einem Werbetext für sein Heft schrieb Hess: „Nichts erregt den Monster-Mohel mehr als ein Schnitt ins Penisfleisch eines acht Tage alten neugeborenen Jungen“ – eine Formulierung die unverkennbare Ähnlichkeit mit den übelsten antisemitischen Stereotypen hat. Das hat die Glaubwürdigkeit der Anti-Beschneidungs-Initiative nicht gerade erhöht.
JTA/zu