11. Jahrgang Nr. 8 / 26. August 2011 – 26. Aw 5771

Identität stärken

Das Israel-Besuchsprogramm „Taglit“ kommt verstärkt in die Bundesrepublik / Zentralrat der Juden in Deutschland baut Zusammenarbeit aus

Seit elf Jahren haben junge Juden aus der Diaspora die Möglichkeit, Israel auf einer für sie kostenfreien Reise zehn Tage lang zu entdecken. Die Reisen finden im Rahmen eines von den jüdischen Philanthropen Michael Steinhardt und Charles Bronfman ins Leben gerufenen Programms statt, das auf Englisch „Birthright Israel“ (Geburtsrecht Israel) und auf Hebräisch „Taglit“ (Entdeckung) heißt. Das heute von jüdischen Spendern, der israelischen Regierung und jüdischen Gemeinden im jeweiligen Wohnland finanzierte Programm dient der Stärkung jüdischer Identität und hat sich, wie Untersuchungen belegen, bewährt. Ehemalige „Taglit“-Teilnehmer sind überdurchschnittlich oft in ihren Heimatgemeinden tätig und zeichnen sich durch ein hohes jüdisches Bewusstsein aus.
Nach den Richtlinien des Programms hat jeder junge jüdische Erwachsene im Alter von 18 bis 26 einen Anspruch auf Teilnahme – daher die Bezeichnung „Geburtsrecht“. Das gilt auch für Personen, die keine Juden im halachischen Sinne sind, aber den Bedingungen des israelischen Rückkehrgesetzes genügen, also einen jüdischen Eltern- oder Großelternteil haben. Bisher sind fast 300.000 junge Menschen mit „Taglit“ nach Israel gereist. Mit zwei Dritteln dieser Gesamtzahl sind Teilnehmer aus den USA besonders prominent vertreten. Das ist nicht weiter verwunderlich, leben doch in den Vereinigten Staaten schätzungsweise 70 bis 75 Prozent aller Diasporajuden. Indessen erfasst das Programm grundsätzlich alle Länder, in denen es eine jüdische Bevölkerung gibt.
Trotz dieses Grundsatzes hat „Taglit“ in Deutschland bisher nur in begrenztem Maße Verbreitung gefunden. Seit der Schaffung des Programms wurden rund 2.600 Teilnehmer aus der Bundesrepublik gezählt. Das soll sich jetzt ändern. Nach mehreren Gesprächen zwischen der „Taglit“- Direktion und dem Zentralrat besuchte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan J. Kramer, kürzlich ein Mega-Event von „Taglit“ in Jerusalem, über das er sich tief beeindruckt zeigte. „Taglit ist ein wichtiges Mittel zur Stärkung der jüdischen Identität und damit zur Stärkung der Gemeinden und des jüdischen Lebens insgesamt“, so Kramer gegenüber der ZUKUNFT. Im Zentralrat herrsche Einvernehmen, dass die Zusammenarbeit des Zentralrats und der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland mit Taglit stärker als bisher ausgebaut werden soll. „Israel“, so Kramer „ist nicht nur die historische Wiege der jüdischen Zivilisation, sondern auch ein in unserer Zeit wieder führendes Zentrum jüdischer Identität und jüdischen Wissens – und natürlich auch ein trotz aller Bedrohungen dynamischer, lebensfroher und moderner Staat. Deshalb ist Israel für junge Juden – wo auch immer sie leben mögen – als Teil ihres Selbstverständnisses besonders wichtig.“
Die Reisen, so der Europa-Direktor von „Taglit“, Doron Schlesinger, werden von der Zentrale in Israel und örtlichen Veranstaltern in enger Abstimmung mit dem Zentralrat, den Landesverbänden und den jüdischen Gemeinden vorbereitet. Für die kommenden Jahre haben sich die Programmverantwortlichen eine jährliche Zahl von rund eintausend jungen Besuchern aus Deutschland zum Ziel gesetzt. Diese Vorgabe, so Schlesinger in einem Gespräch mit der ZUKUNFT, sei ehrgeizig, aber durchaus erreichbar.

Weiterführende Informationen über „Taglit/Birthright Israel“ sind unter www.birthrightisrael.com aufrufbar.
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