11. Jahrgang Nr. 7 / 22. Juli 2011 – 20. Tammus 5771

Der Moment für die Ewigkeit

Bei den 13. Europäischen Makkabispielen in Wien erkämpfte sich die Mannschaft aus Deutschland eindrucksvolle sportliche Erfolge. Nicht minder wichtig waren aber die Gefühle.

„Ihr alle seid schon jetzt gefühlte Gewinner und wir sind so unendlich stolz auf Euch, auf jeden Einzelnen“, mit diesem Versprechen motivierte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, die mit mehr als 200 Sportlern erfreulich große deutsche Delegation bei den diesjährigen Europäischen Makkabi-Spielen in Wien. Er ermunterte die jungen Leute aber auch, nicht restlos dem Leistungsdruck zu verfallen: „Tut mir einen Gefallen: Genießt diesen ‚One moment in time’, das ist EURE Zeit, das ist EUER Moment, das ist EURE Makkabia!“. Spätestens damit wusste jeder, dass er bereits jetzt gewonnen hatte – und zwar viel mehr, als Bronze, Silber und Gold je ausdrücken können.
Gerade für die deutsche Delegation waren die Makkabi-Spiele etwas Besonderes. Sie marschierten inmitten von 1.800 Sportlern aus 39 Ländern, darunter auch USA und Israel, ein - als Vertreter Deutschlands, unter deutscher Flagge, gekleidet in Schwarz-Rot-Gold und das im Herzen Wiens. Sicherlich noch immer kein selbstverständliches Bild, aber ein großer Schritt in diese Richtung.
Ein neues jüdisches Selbstbewusstsein, eine für viele unerwartete Stärke und eine vereinte, nicht aufzuhaltende Überzeugung war zu spüren und zum Greifen nah, als die bunte Gruppe unter Rufen „Deutschland, Deutschland“ einmarschierte. „So laut und direkt gab es das noch nie“, betonte Peter Guttmann, Präsident des deutschen Makkabi-Verbands und Leiter der deutschen Mannschaft. „Wir Juden in Deutschland sind schon lange nicht mehr schwach. Im Gegenteil, wir sind in Deutschland heute eine sehr starke jüdische Gemeinschaft, die in Zukunft sogar noch sehr viel stärker sein wird.“, wusste Dieter Graumann bereits in seiner Teamansprache.
Sie waren aber, wie alle bei dieser Makkabia viel mehr als bloße Teilnehmer, sie waren „Botschafter des Miteinanders, Botschafter, die den jüdischen Spirit und seine Stärke in die Welt heraustragen.“ wie es der Zentralratspräsident beschrieb. Das spürte man bei der Eröffnungsfeier genau. Tränen der Freude und Begeisterung sah man in vielen Gesichtern, als man bei Liedern der israelischen Pop-Ikone Sarit Hadad gemeinsam tanzte oder sich bei den Klängen der Hatikva in den Armen hielt. Ein Feuerwerk der Emotionen und ein wahres Gänsehaut-Gefühl, ein Gefühl, welches bis zur Abschlussfeier und noch lange darüber hinaus anhalten würde.
Das deutsche Team ist wahrlich über sich hinausgewachsen, im besten und wortwörtlichsten Sinne. Nicht nur hat es im Gesamt-Medaillenspiegel mit 23 Gold-, 29 Silber- und 19 Bronzemedaillen den dritten Platz errungen, sondern haben darüber hinaus ganz offensichtlich bewiesen, dass es keine Rolle mehr spielt, wie lange jemand in Deutschland lebt oder woher seine Eltern eingewandert sind. Die Frage der Integration von Neuzuwanderern stellt sich gar nicht mehr, die Integration geschieht automatisch, „Geboren in Berlin oder Minsk, wen interessiert‘s- wir sind alle Makkabi - wir sind eine Familie!“, ruft ein junger Sportler. Es stimmt, es scheint tatsächlich niemanden mehr zu interessieren und schon gar nicht verursacht es irgendwelche Hürden.
Der Makkabi-Sport trägt sicherlich viel dazu bei, dass man zusammengewachsen ist, vereint in der jahrhundertealten Tradition und Wärme der jüdischen Familie. Auch in Wien ist diese Wärme zu spüren und die sieben Tage erscheinen wir ein riesengroßes, viel zu schnell vergehendes Familienfest, allen Wettkämpfen zum Trotz. „Das Band, das uns Juden weltweit bindet und verbindet“, erklärte Dieter Graumann, „wird weiter gestärkt, es ist so stark und so fest, dass niemand es jemals lösen kann. Dieses Gefühl jüdischer Gemeinsamkeit hält und trägt uns für alle Zeit.“ Und die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist ein ganz entscheidender und wichtiger Teil dieses Bandes. Dass lange Zeit „Juden aus Deutschland“ mit Argwohn, ja international auch respektlos behandelt wurden, ist nun für alle sichtbar vorbei. Der Stellenwert des deutschen Teams war aufgrund seiner sportlichen Leistungen besonders hoch. Insgesamt darf man aber mit Freude beobachten, dass vor allem der kulturelle, politische und soziale Beitrag der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland international große Anerkennung findet, ja sogar inzwischen als Vorbild für viele gesehen wird.
Die 1.800 Sportler wetteiferten also in 17 Disziplinen von Schwimmen bis Squash, von Tennis bis Feldhockey, von Fußball bis Golf. Doch in der wichtigsten Disziplin, der jüdischen Paradedisziplin haben alle gewonnen: Ein erfolgreicher, starker jüdischer Zusammenhalt, der für immer bestehen bleibt. Ein Makkabi-Moment für die Ewigkeit!
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