11. Jahrgang Nr. 7 / 22. Juli 2011 – 20. Tammus 5771

„Was ich immer schon wissen wollte...“

Glossar mit Begriffen des Judentums von Rabbiner Dr. Joel Berger

CHAWURA (Hebräisch)

Verbindung. Eine Gruppe von lernwilligen Menschen, die sich regelmäßig zum gemeinsamen Studium des Talmuds, der rabbinischen Literatur oder zu sonstigen jüdischen Studien zusammenschließen.

CHEDER (Hebräisch)

Raum, Zimmer. In religiöser Hinsicht verstand man unter dem Wort Cheder ausschließlich das Schulzimmer, in dem Kindern elementares jüdisches Wissen vermittelt wurde, beginnend mit dem hebräischen Alphabet, über die Tora bis hin zu den Grundlagen des Talmuds. Der Cheder wurde in der jüdischen Literatur oft verewigt.

CHEREM (Hebräisch)

Religiöser Bann oder Exkommunikation. Der Cherem konnte zumeist vom Rabbiner der Gemeinde ausgesprochen werden, wenn ein Jude, zum Beispiel ein Denunziant, der Gemeinschaft beträchtlichen Schaden verursacht hatte. In früheren Zeiten bedeutete eine Verleumdung gegenüber den Behörden eine existenzielle Gefahr für die ganze Gemeinde. Es kam oft vor, dass die Gemeinschaft vertrieben wurde oder Pogrome und Hinrichtungen erleiden musste. Der Cherem konnte vom Ausschluss aus der religiösen Gemeinschaft bis zum kompletten Ausschluss aus der jüdischen Gesellschaft gehen. Heute ist der Cherem allerdings ein theoretische „Einrichtung“. In deutschen Ländern ist er seit der Emanzipation (19. Jahrhundert) nicht mehr vorgekommen.

CHEWRA KADDISCHA (Aramäisch)

Heilige Vereinigung, heilige Beerdigungsbruderschaft. Eine der ältesten Einrichtungen in jüdischen Gemeinden. Ziel dieser Vereinigung ist es, die die Ehre und Würde der jüdischen Menschen über den Tod hinaus pietätvoll zu bewahren. Sie bereitet die Beerdigung mit allen Belangen wie die Tahara (Totenwäsche), Einkleidung mit Tachrichim (Totenkleider) vor, achtet auf de traditionelle Durchführung der Begräbnisse und tröstet die Hinterbliebenen während ihrer Trauerzeit. Außerdem übernimmt die Vereinigung soziale Aufgaben wie Fürsorge in Krankheitsfällen, zum Beispiel die Versorgung der Kranken mit koscherer Verpflegung sowie Krankenbesuche. Ferner werden Gedenk-G-ttesdienste (Jahrzeitg-ttesdienste) durchgeführt. Die Tätigkeit der Mitglieder ist von alters her ehrenamtlich. Die älteste uns bekannte Urkunde einer Chewra Kaddischa in Deutschland stammt aus dem 15. Jahrhundert.