11. Jahrgang Nr. 6 / 30. Juni 2011 - 28. Siwan 5771

„Was ich immer schon wissen wollte...“

Glossar mit Begriffen des Judentums von Rabbiner Dr. Joel Berger

CHATAN (Hebräisch) Bräutigam. Jiddisch, volkstümlich: Chossen.

Er wird zur Durchführung der jüdischen Eheschließung unter die Chuppa (Traubaldachin) geführt und streift in einem öffentlichen Akt der Braut den Ehering über. Danach wird die Ketuba (Ehevertrag) verlesen.

CHATAN TORA (Hebräisch) „Bräutigam der Tora".

Er wird im Rahmen eines festlichen Aktes beim Simchat-Tora-G-ttesdienst, am Ende der Hohen Feiertage, zur Lesung der letzten Abschnitte des fünften Buches Mose aufgerufen. Dabei wird g-ttliche Offenbarung, die Tora, als eine Braut Israels betrachtet. Es ist üblich, einen Rabbiner beziehungsweise Toragelehrten mit dieser Lesung zu beehren. Ebenso feierlich wird anschließend mit den Anfangskapiteln des ersten Buches Mose die Lesung der Tora neu begonnen. Dazu wird ein würdiges Gemeindemitglied als Chatan Bereschit zur Lesung gerufen („Bereschit" lautet der hebräische Name des ersten Buches Mose). Derjenige, der an diesem Tag den prophetischen Abschnitt, die Haftara, vortragen darf, wird Chatan Maftir genannt.

CHATUNA (Hebräisch, Jiddisch: Chassene).

Die jüdische Hochzeit vereint zwei jüdische Menschen, Mann und Frau, und stellt eine heilige, von G-tt gebotene Handlung dar. Grundlage ist im 1. Buch Mose, 1:27 und 28, sowie 2:28, zu finden. Die Hochzeit kann an jedem beliebigen Tag, außer am Schabbat und an biblischen Feiertagen, vollzogen werden. Sie muss nicht im Synagogenraum abgehalten werden, sondern kann durchaus, wie bei gesetzestreuen Juden üblich, unter freiem Himmel stattfinden. Die Zeremonie wird unter der Chuppa, dem „Trauhimmel" oder Baldachin, vollzogen. Unter der Chuppa streift der Bräutigam der Braut einen Ring über den rechten Zeigefinger. Im Anschluss daran wird die Ketuba (Ehevertrag) vorgetragen. Zum Abschluss der Zeremonie und im Gedenken an den zerstörten Tempel zu Jerusalem zertritt der Bräutigam ein Glas mit dem rechten Fuß. In alten deutschen Gemeinden wurde das Glas allerdings nicht mit dem Fuß zertreten, sondern am so genannten Chuppastein an der Synagogenwand zerschmettert.